BRUCHSAL, 4. SEPTEMBER | Zwei Tage und zwei Nächte liegen hinter Harun Oktay: Der Polizist hat seinen 48-Stunden-Lauf auf der Tartanbahn der Bereitschaftspolizei Bruchsal geschafft. Um exakt 13:20 Uhr nach 537 Runden stehen rund 215 Kilometer zu Buche.

Die letzten Runden läuft Harun Oktay nicht allein. Kollegen begleiten ihn über die Tartanbahn, Angehörige stehen am Rand. Kinder haben kleine Plakate gemalt und entlang der Strecke aufgehängt. Nach 48 Stunden endet dort, wo am Mittwoch alles begonnen hatte, ein Lauf über zwei Tage und zwei Nächte.
537 Runden und rund 215 Kilometer
537 Runden hat Oktay am Ende zurückgelegt. Das entspricht einer Laufleistung von rund 215 Kilometern. Drei Paar Laufschuhe hat er während dieser 48 Stunden verbraucht. Ein Polizeikollege begleitete ihn sogar über eine komplette Marathondistanz, andere kamen für kürzere Abschnitte auf die Bahn. Immer wieder waren Kollegen, Angehörige und deren Kinder da, um ihn zu unterstützen und zu motivieren.
Vor allem in der zweiten Nacht wurde aus der sportlichen Herausforderung auch eine mentale. Auf die Frage, wie diese Nacht gelaufen sei, sagt Oktay, sie habe sich im Gegensatz zur ersten Nacht ziemlich gezogen.
Und was geht einem durch den Kopf, wenn nach so vielen Stunden immer noch acht oder zehn Stunden vor einem liegen? „Zuerst habe ich gedacht: Warum tue ich mir das an?“, erzählt Oktay. „Danach habe ich nichts mehr gedacht, sondern einfach nur: durchkommen!“
Er ist durchgekommen. Runde um Runde. Bis die Uhr schließlich jene 48 Stunden zeigte, die beim Start noch kaum vorstellbar weit entfernt schienen.
Glückwunsch an Harun Oktay – und Hut ab vor dieser außergewöhnlichen Leistung.
Mit seinem Lauf verband Oktay die sportliche Herausforderung mit einem guten Zweck. Die Aktion sammelt Spenden für das Projekt „Kinder in Not“ der Bürgerstiftung Bruchsal. Das Projekt unterstützt unter anderem die Sprachförderung von Kindern – ein Anliegen, zu dem Oktay aufgrund seiner eigenen Kindheitsgeschichte einen persönlichen Bezug hat.
WIR BERICHTETEN:
Lauf, Harun, lauf! Zwei Tage und zwei Nächte: Bruchsaler Polizist Harun Oktay wagt den 48-Stunden-Lauf
BRUCHSAL, 2. SEPTEMBER | Forrest Gump läuft im gleichnamigen Film kreuz und quer durch die USA. Harun Oktay wird dagegen ziemlich genau wissen, was ihn hinter der nächsten Kurve erwartet, denn er will zwei Tage und zwei Nächte lang auf der Tartanbahn der Bereitschaftspolizei Bruchsal möglichst viele Kilometer „sammeln“ und dabei auch Spenden für das Projekt „Kinder in Not“ der Bürgerstiftung Bruchsal einsammeln.
Die ersten Meter sind geschafft. Um 13.20 Uhr hat Harun Oktay auf dem Gelände der Bereitschaftspolizei Bruchsal seinen 48-Stunden-Spendenlauf begonnen. Noch liegen fast zwei komplette Tage vor ihm. Was irgendwann aus Müdigkeit, schweren Beinen und der immer gleichen Strecke werden wird, lässt sich zu diesem Zeitpunkt kaum abschätzen. Fest steht nur: Der 36-Jährige hat sich einiges vorgenommen. Volle zwei Tage will er laufen.
Die Erfahrung über 100 Kilometer brachte ihn auf die Idee
Oktay geht nicht völlig unvorbereitet in dieses Experiment. Sport gehört seit Jahren zu seinem Alltag, Kraft- und Ausdauertraining ebenso. Im Mai lief er auf derselben Bahn bereits 100 Kilometer. Aus dieser Erfahrung entwickelte sich die Idee, noch deutlich weiterzugehen und einen Lauf über zwei Tage zu versuchen.
Knapp zwei Monate bereitete er sich darauf vor. Dabei ging es nicht nur um Kilometer und Kondition. Oktay musste herausfinden, wie sein Körper auf lange Belastungen reagiert. Gerade die Ernährung erwies sich bei längeren Trainingsstrecken als Herausforderung. Energiegels und große Wassermengen zu Beginn eines Laufs beispielsweise verträgt sein Magen nach seinen Erfahrungen nicht besonders gut.
Entscheidend dürfte ohnehin nicht allein die körperliche Verfassung sein. Die Strecke verändert sich nicht. Runde folgt auf Runde, Stunde auf Stunde. Genau darin liegt für Oktay ein wesentlicher Teil der Herausforderung: Er möchte erfahren, wo seine körperlichen und mentalen Grenzen liegen.
Aus der sportlichen Idee wurde ein Spendenlauf
Gemeinsam mit seinen Vorgesetzten und Kollegen bei der Bereitschaftspolizei Bruchsal entstand aus dem persönlichen Vorhaben eine Aktion für einen guten Zweck. Gesammelt wird für das Projekt „Kinder in Not“ der Bürgerstiftung Bruchsal. Dort wird unter anderem die Sprachkompetenz von Kindern gefördert.
Für Harun Oktay hat gerade dieses Thema einen persönlichen Hintergrund. Im Alter von sieben Jahren kam er mit seinen Eltern aus der Türkei nach Deutschland. Deutsch sprach die Familie damals nicht. Unterstützung bei deutschen Schulaufgaben durch seine Eltern war deshalb zunächst kaum möglich. Die Erfahrung aus seiner eigenen Kindheit verbindet er heute mit dem Zweck seines Laufes.
Auch Gilbert Bürk vom Vorstand der Bürgerstiftung Bruchsal begleitet die Aktion. Die Spenden können entweder als fester Betrag oder abhängig von den tatsächlich gelaufenen Kilometern geleistet werden.
Unterstützung auf der Bahn ist ausdrücklich erwünscht
Zum Start blieb Oktay nicht allein. Zuschauer waren gekommen, einige begleiteten ihn auf seinen ersten Runden. Auch während der kommenden Stunden dürfen Unterstützer ein Stück mitlaufen. Dabei gilt die Bitte der Organisatoren: begleiten und motivieren – den Läufer aber möglichst nicht von seinem Rhythmus ablenken.
Für Oliver Hiller, Leiter der Direktion der Bereitschaftspolizei Bruchsal, ist das Vorhaben seines Kollegen ebenfalls außergewöhnlich. Während des gesamten Laufs soll Oktay begleitet werden. Zudem stehen nach Angaben Hillers Sanitäter bereit. Die Laufrichtung auf der Bahn soll zwischendurch gewechselt werden. Wie viele Kilometer am Ende auf der Laufuhr stehen werden, ist offen. Ebenso, wie sich die zweite Nacht anfühlen wird oder was die Beine nach einem Tag ununterbrochener Bewegung sagen. Der Lauf hat gerade erst begonnen.
Am Freitag gegen 13 Uhr werden wir wieder bei der Bereitschaftspolizei Bruchsal vorbeischauen. Dann liegt Harun Oktay – sofern alles nach Plan läuft – bereits die letzte Stunde seines 48-Stunden-Laufs vor sich. Wir werden sehen, wie es ihm dann geht und wie viele Kilometer hinter ihm liegen.










