Wildgänse äsen im Frühjahr auf einem Getreideacker
Wildgänse äsen im Frühjahr auf einem Getreideacker

LANDKREIS | Wildtierbestände müssen weiterhin abgesenkt werden

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28.07.2020 | Untere Jagdbehörde legt Jahresstatistik 2019/2020 vor

Inwieweit aus ökologischer Sicht eine Notwendigkeit für die intensive Bejagung von Wildtieren besteht, ist umstritten. Während Tierschützer der Ansicht sind, dass sich die Natur von selbst reguliert, greifen Jäger aus Überzeugung aktiv in den Wildtierbestand ein.  Die Untere Jagdbehörde legt nun die Jahresstatistik 2019/2020 vor: In diesem Jagdjahr kamen in den über 250 Jagdrevieren, einschließlich der Regiejagd des Forstes, insgesamt über 4.250 Stück Schwarzwild zur Strecke. Nach der deutlich geringeren Strecke aus dem Vorjahr mit 2.606 Stücken bedeutet diese eine Steigerung um nahezu 40 %. Damit wurde das Niveau aus dem Jagdjahr 2017/2018 wieder erreicht.  Dies geht aus der aktuellen Jahresstatistik 2019/2020 vor, die die Untere Jagdbehörde im Landratsamt Karlsruhe vorlegt.

Intensive Schwarzwildbejagung weiterhin notwendig

Neben der Verhinderung von Wildschäden ist eine intensive Bejagung des Schwarzwildes auch im Hinblick auf die Afrikanische Schweinepest erforderlich, gibt die Untere Jagdbehörde an. Aufgrund der aktuellen Ausbrüche in Westpolen ist die Afrikanische Schweinepest nur noch wenige Kilometer von der Grenze zu Deutschland entfernt. „Die Absenkung der Schwarzwildbestände ist eine entscheidende Voraussetzung zur Minimierung der Risiken eines Seucheneintrags“, so Dr. Joachim Thierer, Leiter der Unteren Jagdbehörde und des Veterinäramtes im Landratsamt Karlsruhe. Die Bejagung des Schwarzwilds ist weiterhin ganzjährig möglich.

Durch die Gründung von zwei neuen Hegegemeinschaften in den Bereichen Karlsbad und Bretten ist in weiten Teilen des Landkreises Karlsruhe eine Jungfuchsbejagung bereits ab dem 1. Mai möglich. Insgesamt existieren im Landkreis zehn solcher Hegegemeinschaften, die das Niederwild wie beispielsweise Feldhasen, Rebhühner und Fasane schützen wollen, die Beutetiere für den Fuchs sind. Zum Schutz des Niederwildes wird nicht nur die Jagd durch verstärkte Ansitze auf Jungfüchse intensiviert, weitere Maßnahmen sind auch die Biotoppflege sowie das Anlegen und Bewirtschaften von Wildäckern für das Niederwild. Der Fuchs ist nach wie vor das bedeutendste Reservoir für den Fuchsbandwurm. Als sogenannte Zoonose ist dabei auch eine Übertragung auf den Menschen möglich. Gleichzeitig häuften sich in den vergangenen Jahren Fälle von Räude und Staupe beim Fuchs, wobei eine Ansteckung von Hunden nicht ausgeschlossen werden kann. Die gesamte Fuchsstrecke beläuft sich im Jagdjahr 2019/2020 auf circa 2.300 Tiere, davon rund 900 Jungfüchse. Im Vergleich zum Vorjahr ist dies ein Anstieg um knapp 12 %.

Schäden in Ackerflächen durch Wildgänse

Laut Unterer Jagdbehörde verdeutlicht der Wildtierbericht des Landes, dass das Hauptvorkommen von Wildgänsen nach wie vor entlang des Rheins von Rastatt bis Mannheim ist. Aber auch im Bereich einiger Baggerseen haben sich dauerhaft Brutpaare niedergelassen. Im Landkreis Karlsruhe wurden im vergangenen Jagdjahr in der Jagdzeit vom 1. September bis 15. Januar 86 Grau-, 179 Kanada- und 169 Nilgänse erlegt. Dies entspricht einer Steigerung der Jagdstrecke um 25 %. Dies trägt den stets zunehmenden Meldungen von Wildschäden an landwirtschaftlichen Flächen Rechnung. Die Untere Jagdbehörde unterstützt und berät betroffene Landwirte und Jäger auch hinsichtlich der Vergrämung außerhalb der Jagdzeit. Zunehmend treten Probleme auch im Siedlungsbereich oder in Freizeitzentren auf. Die Untere Jagdbehörde weist darauf hin, dass die Fütterung von Wildenten, Wildgänsen und Schwänen verboten ist und mit einem Bußgeld geahndet werden kann.

Ebenso untersagt ist die Fütterung von Nutrias und Waschbären. Diese gelten europaweit als invasive Arten, weshalb die Bestände zu regulieren sind. Während sich Nutrias mittlerweile landkreisweit im Bereich von Gewässern heimisch fühlen, liegt der Schwerpunkt des Auftretens der Waschbären im Bereich Rheinstetten. Im Jagdjahr 2019/2020 ist die Nutriastrecke auf 647 gestiegen. Außerdem wurden 34 Waschbären erlegt. Durch die von Nutrias errichteten Baue entstehen Schäden an Bachläufen, Böschungen und Dämmen. Zudem verursachen Nutria Fraßschäden an landwirtschaftlichen Erzeugnissen.

Für weitere Informationen steht die Untere Jagdbehörde des Landratsamtes Karlsruhe unter Telefon 0721 936 – 83 050 oder 0721 936 – 83 410 zur Verfügung.

 

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