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Foto: AOK

Landkreis | Wenn die Waage den Alltag dominiert

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Reportage | Essstörungen werden extremer

Von Anorexia nervosa, umgangssprachlich „Magersucht“, über die „Ess-Brechsucht“ Bulimia nervosa bis hin zur „Esssucht“ genannten Binge-Eating-Disorder – eine Essstörung kann viele Gesichter haben.

Auch Mischformen tauchen vermehrt auf. „Immer mehr Menschen leiden an solchen Verhaltensstörungen rund um das Essen mit oft schweren Folgen für die körperliche und psychische Gesundheit. Zugleich werden die Ausprägungen ausgefallener wie auch radikaler“, beobachtet Ruth Müller, die sich 2007 zur Fachberaterin für Essstörungen ausbilden ließ.

Damals unterstützte die Ernährungsberaterin bei der AOK Mittlerer Oberrhein monatlich zwei bis vier Betroffene in Einzelberatungen dabei, schrittweise ein gesundes Essverhalten zu erlernen. Mittlerweile berät sie dreimal so viele Menschen – meist über Monate hinweg. Die Nachfrage sei enorm.

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Foto: AOK

In der Region stieg zwischen 2013 und 2017 die Zahl der Behandlungsfälle von Essstörungen im Allgemeinen um 9 Prozent – so eine aktuelle Studie der AOK Mittlerer Oberrhein. Die Steigerungsrate bei Magersucht betrug im gleichen Zeitraum sogar 15 Prozent. Für das Jahr 2017 bedeutet das konkret: 803 Versicherte waren wegen einer Essstörung in ambulanter oder stationärer Behandlung, davon litten 172 an Magersucht. Landesweit zählte die AOK über 13.000 an einer Essstörung erkrankte Versicherte, darunter 3.000 Anorexia-Patienten. Tatsächlich dürfte die Dunkelziffer jedoch weit höher liegen, da viele Betroffene nicht in ärztlicher Behandlung sind.

„In den Medien erleben wir ein uniformiertes Schönheitsideal – was da nicht reinpasst, wird wegretuschiert“, beschreibt Ruth Müller einen der Hauptgründe für die beängstigende Entwicklung. „Durch Hungern und OPs versuchen Frauen und auch immer mehr Männer solchen unrealistischen Idealen oder Promi-Vorbildern zu entsprechen.“ Auffällig sei, dass die Ausprägungen immer extremer werden: Bei Magersüchtigen etwa gehe der BMI weiter herunter. Müller erlebe, dass nomalgewichti-ge Frauen sich bereits mit Anfang 20 Fett absaugen ließen oder nach einer Schwangerschaft direkt in eine Magersucht rutschen. „Hinter Suchterkrankungen liegen oft auch seelische Schwierigkeiten, die Ess-störung ist dann wie ein stummer Protest oder Hilferuf.“

Eine Studie des Robert-Koch-Instituts zeigte: Bei etwa einem Fünftel aller 11- bis 17-Jährigen in Deutschlang liegt ein Verdacht auf eine Essstörung vor. „Wenn ein Kind seine Figur stark verändert, nicht mehr an gemeinsamen Mahlzeiten teilnimmt oder danach regelmäßig die Toilette aufsucht, könnten dies erste Alarmzeichen einer Essstörung sein.“ Ebenso, wenn Kinder sich stark mit Essen beschäftigen, beispielsweise für andere kochen, selbst aber nichts oder kaum essen. Ruth Müller rät Eltern in solchen Fällen, sofort professionelle Hilfe zu suchen: „Wer denkt, eine solche Störung geht von allein wieder weg, der irrt.“ Aus ihrer langjährigen Beratungstätigkeit weiß sie: „Je früher eine Behandlung einsetzt, desto größere Heilungschancen bestehen.“ Dies ist umso wichtiger, als solche chronischen Erkrankungen im Extremfall lebensbedrohlich werden können.


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