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CORONA & DIE 3. WELLE | Sieben Fragen an Landrat Dr. Schnaudigel

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18.06.2021 | Nach quälenden Monaten der Lockdowns mit viel zu kleinen Trippelschrittchen im Kampf gegen die Inzidenz, nach Maskenskandalen, Impfenttäuschungen, Lockdown-Fehlentscheidungen, Ausgangssperren, widersprüchlichen Verordnungen und Quertreiber-Querschlägen war es Mitte Mai endlich soweit – eine erneute exponenzielle Entwicklung setzte ein. Nur eben andersherum, nach unten! Jetzt ist die Hoffnung groß, dass sich das gewohnte Leben wenigstens halbwegs wieder zum „Normalen“ entwickelt.

Landfunker hat diese Zeit mit Zahlen, Tabellen, Grafiken und Kommentaren täglich neu begleitet. Dabei sind bei unseren Leserinnen und Lesern viele Fragen entstanden, teilweise konnten sie geklärt werden, andere blieben offen.

Wir nahmen die aktuelle Situation zum Anlass und baten Landrat Dr. Christoph Schnaudigel um einen Rückblick und die Beantwortung unserer Fragen.

 

1.

Herr Dr. Schnaudigel, welche der Verordnungen der Bundesregierung fanden Sie im Hinblick auf den Landkreis am hilfreichsten, welche am schmerzhaftesten?

 

Am hilfreichsten empfand ich die Ermächtigung, dass die Stadt- und Landkreise Impfzentren einrichten und betreiben durften. So konnten wir uns auf einer weiteren Ebene aktiv der Pandemie entgegenstemmen. Am schmerzhaftesten war, dass sich Vorgaben oft in Windeseile änderten und sehr kurzfristig in Kraft getreten sind z.B. Freitag Nacht mit Gültigkeit ab Samstag – und teilweise haben sich Bundes- und Landesregelungen widersprochen. Da mussten wir stellvertretend viel Kritik einstecken.“

2.

Stichwort Digitalisierung und Datenerfassung: Häufig war auf unserer Webseite wie in vielen Medien deutschlandweit der Vorwurf zu lesen, die Landratsämtern bzw. Gesundheitsämter müssten mit veralteter Software umgehen und würde Daten per Fax austauschen. Inwiefern trifft das auf den Landkreis KA zu. Sind Sie zufrieden oder soll es hier Veränderungen geben, bspw. die Anwendung SORMAS einzusetzen?

 

Es war tatsächlich so, dass wir ganz am Anfang der Pandemie noch das Faxgerät in Betrieb hatten, aber das lag daran, dass die EDV-Landschaft um das Landratsamt herum noch nicht so weit war wie heute. Für uns hat es sich schnell ausgezahlt, dass der Digitalisierungsgrad unserer Verwaltung schon vor der Pandemie hoch war. Das hat uns in die Lage versetzt, praktisch vom ersten Tag an Vorgänge mit Hilfe der elektronischen Datenverarbeitung einfacher und schneller zu machen.

Gerade für die Kontaktpersonennachverfolgung konnten wir in kürzester Zeit ein Softwaretool entwickeln und einsetzen, das bis heute die Arbeit an vielen Stellen erleichtert und wesentlich beschleunigt. Natürlich sind wir bestrebt uns weiter zu verbessern, SORMAS hat aber noch nicht den Leistungsumfang, den wir mit unserem eigenen System geschaffen haben, um eine lückenlose Nachverfolgung und Verwaltung der Daten zu gewährleisten. Derzeit wäre SORMAS für uns ein Schritt zurück hinter das bereits erreichte Niveau der Digitalisierung.

 

3.

Die Stadt Karlsruhe hat seit Beginn der Pandemie eine teilweise deutlich geringere Inzidenz als der Landkreis Karlsruhe, mit nur ganz wenigen Ausnahmen. Haben Sie eine Vermutung, woran das liegen könnte?

Solche Aussagen sind schwierig zu treffen, weil positiv Getestete an ihrem Wohnort als Infizierte geführt werden, egal wo sie sich angesteckt haben. Wenn man sieht, welch vielfältigen Verflechtungen es in unserem dicht besiedelten Raum gibt, angefangen von den Arbeitsplätzen über Schulen bis hin zum Einkaufen wird schnell klar, dass man aus den örtlichen Infektionszahlen nicht wirklich die tatsächliche Infektionslage abbilden kann.

Es gibt auch keine gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnisse, warum die Inzidenzzahlen unterschiedlich sind.

 

4.

Die Printmedien waren aufgrund der raschen Entwicklungen nicht in der Lage auf Veränderungen schnell zu reagieren. Hat sich das Internet als Instrument bewährt?

Absolut. Die Ereignisse haben sich ja oft stündlich überschlagen. Die Online-Portale – die übrigens die meisten Printmedien auch unterhalten – waren hier unsere besten Partner, wenn es um die Verbreitung von Informationen ging.

 

5.

Die Landfunker-Corona-Info-Seite wurde seit Herbst 2020 mehr als 5 Mio. mal aufgerufen. Waren auch Sie Gast ?

Ja, weil Ihre Seite den Service bietet, neben unserer aktuellen Fallzahlenkarte auch die Karten der vorherigen Tage abzubilden. Wenn ich von unterwegs aus bestimmte Informationen brauchte, waren die bei Ihnen schneller nachzusehen als im System.

 

6.

Die sogenannten Sozialen Medien haben eine mitunter fragwürdige Rolle gespielt, die mit teilweise abstrusen Inhalten eine mitunter meinungsbildende Funktion bekommen haben. Hat sich Ihr Blick auf diese Netze verändert? Sehen Sie dort mitunter die Grenzen der Meinungsfreiheit überschritten? Oder ist das der Preis, den eine freie Gesellschaft zu zahlen bereit sein muss?

Die sozialen Netzwerke sind da und spiegeln Meinungen wider. Beides zu negieren wäre nicht klug, deshalb mischen wir selbst in den sozialen Medien mit und publizieren unsere Informationen auch dort. Natürlich bekommen wir für unser Handeln nicht nur positive Resonanz und manche Kommentare sind sicherlich unterirdisch. Aber im Großen und Ganzen findet dort die gleiche Debatte statt wie auf anderen gesellschaftlichen Ebenen.

Sicher ist die Hemmschwelle niedriger, sich dort zu äußern und aufgrund der Kürze der Posts, die das Wesen der sozialen Medien ja durchaus ausmachen, gerät die Vielschichtigkeit von Vorgängen ins Hintertreffen. Deshalb ergreifen wir durchaus auch das Wort und setzen Meinungen auch etwas entgegen.

Dabei zeigt sich, dass oft schon eine bloße Information genügt, um Situationen zu entspannen. Was gar nicht geht, sind persönliche Verunglimpfungen oder Hetze. Da muss der Gesetzgeber die Betreiber in die Verantwortung nehmen, dass solche Posts gelöscht werden.

 

7.

Gibt es etwas, was Sie den Bewohnerinnen und Bewohnern des Landkreises am Ende der 3. Welle mitteilen wollen?

Ich möchte allen danken, die sich auf den verschiedensten Ebenen aktiv bei der Pandemiebekämpfung eingesetzt haben. Und ich möchte den vielen Menschen danken, die sich an Regeln und Beschränkungen gehalten haben, gerade weil diese oft eine Zumutung waren.

Beidem: dem beherzten Tun und der Disziplin ist es zu verdanken, dass es im Großen und Ganzen gelungen ist, die Pandemie einzudämmen, und dass wir keine katastrophenähnliche Bilder sehen mussten, wie wir sie aus anderen Ländern kennen. Gleichwohl ist die Pandemie noch nicht endgültig bekämpft.

Deshalb appelliere ich, anhand der erfreulichen momentanen Situation nicht alle Vorsichtsmaßnahmen über Bord zu werfen, sondern sich weiterhin an die Regeln zu halten. Gerade die einfachsten Regeln hatten und haben den größten Effekt: Kontakte minimieren, und wo das nicht geht, Abstand halten, und wo das auch nicht geht, Maske tragen.

 

 

 

Vielen Dank, Herr Dr. Schnaudigel!

 

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