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blutsbrüder: Peter (links) wollte seinen Lebensretter Björn kennen lernen und besuchte ihn. Den WILLI nahm er mit und schickte uns dieses Bild. So wurden wir auf seine Geschichte aufmerksam.
blutsbrüder: Peter (links) wollte seinen Lebensretter Björn kennen lernen und besuchte ihn. Den WILLI nahm er mit und schickte uns dieses Bild. So wurden wir auf seine Geschichte aufmerksam.

KRAICHTAL : Zwillinge fürs (Über-)Leben – Lebensretter gefunden

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Kennen sie den Film Twins mit Dany de Vito und Arnold Schwarzenegger? Zwei völlig verschiedene Typen und doch sind sie Zwillinge. Was im Film als irrwitzig vorgeführt wird, ist heute im echten Leben die Riesenchance für schwerkranke Menschen zu überleben. Man findet einen genetischen Zwilling, egal welchen Geschlechts, welcher Hautfarbe, und welchen Alters.

Anfang April 2012 erkrankte ich mehrmals an einem grippalen Infekt, beim Sport litt ich immer mehr unter Kurzatmigkeit, dachte mir aber nichts weiter dabei“, erzählt Peter Karl von seinem Krankheitsverlauf. Er hatte Glück im Unglück. Durch eine betriebliche Pflichtuntersuchung wurde kurz darauf festgestellt, dass seine Blutwerte sehr schlecht seien und es wurden umgehend weitere Untersuchungen durchgeführt. Die Diagnose am 9. Mai 2012 war niederschmetternd: Akute Myeloische Leukämie (AML), Blutkrebs!
Mit der Behandlung wurde sofort begonnen, zwei Tage später hing Peter Karl schon an der ersten Chemotherapie in der Universitätsklinik Heidelberg. Eine vierwöchige Tortur mit allem, was man sich so vorstellt: Übelkeit, Haarausfall, Fieber. Nach kurzer Erholungspause, das ganze Prozedere noch einmal, aber immerhin eine Chance, die schlimme Krankheit zu besiegen. Bei Blutkrebs gibt es noch eine weitere Option neben der Chemotherapie, die Stammzellentransplantation. Diese Behandlungsweise ist meist erfolgreich, da hiermit das kranke Blut, vereinfacht gesagt, gegen gesundes ausgetauscht wird und der Körper quasi einen „Neustart“ bekommt.

Der Körper bekommt einen Neustart

Wieder hatte der Kraichtaler großes Glück. Schon Ende Juli wurde für ihn ein geeigneter Spender gefunden und die Vorbereitung zur Stammzellenübertragung konnte beginnen. Zur Transplantation muss das Immunsystem des Empfängers vollkommen ausgeschaltet werden, da sonst der Körper das „fremde Material“ sofort erkennen und abstoßen würde, obwohl es ihn ja heilen möchte. Peter Karl bezog ein Zimmer auf der Isolierstation der Heidelberger Uniklinik. Sechs Tage wurde er hier vorbereitet. Tage, die für ihn die Hölle waren. Schmerzen, Schüttelfrost, Übelkeit, 10 Kilo Gewichtsverlust. Die eigentliche Transplantation verlief dann eher problemlos, wie eine Bluttransfusion.

Peter und seine Familie : Peter Karl ist glücklich für die Chance seine Enkel aufwachsen zu sehen und stolz auf Sohn Heiko (rechts), der durch seine Spende ebenso ein Leben rettete.
Peter und seine Familie : Peter Karl ist glücklich für die Chance seine Enkel aufwachsen zu sehen und stolz auf Sohn Heiko (rechts), der durch seine Spende ebenso ein Leben rettete.

Der Körper nahm das Spenderblut auf und nach etwa 14 Tagen begann bei ihm die Produktion von neuen, gesunden Blutzellen. Soweit war alles gut gelaufen. Durch die Einnahme von Immunsuppressiva war jedoch sein Körper so geschwächt, dass Peter Karl – trotz aller Vorsichtsmaßnahmen – im Anschluss an die Transplantation eine schwere Lungenentzündung bekam. Jetzt wurde es noch einmal sehr kritisch für den 57-Jährigen, aber auch diesen Rückschlag hat er zusammen mit seiner Frau Carmen gemeistert. „Eine große Stütze für mich und meine Familie während dieser vierwöchigen, lebensgefährlichen Phase war das Personal der Uniklinik in Heidelberg. Alle, Ärzte, Schwestern und Pfleger haben einen tollen Job gemacht. Sie haben sich bestens um uns gekümmert, ich habe mich immer sehr gut aufgehoben gefühlt.

Ich wollte meinen Lebensretter kennen lerne

Im Lauf der Genesung wuchs in ihm der Wunsch, seinen Lebensretter, den Stammzellenspender, kennenzulernen, schließlich sind sie ja nun „Blutsbrüder“, genetische Zwillinge. Sein Name sei Björn und er wohne am Steinhuder Meer, wurde ihm auf Anfrage bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) mitgeteilt. Diese Auskunft bekommt man nur, wenn Spender und Empfänger dem zustimmen, beide werden von der DKMS angefragt und erst bei beiderseitiger positiver Rückmeldung, werden die Adressen freigegeben. „Ich wollte meinem Lebensretter unbedingt Danke sagen, sagte der 57-jährige Menzinger. Das Treffen zwischen dem 34-jährigen Björn und dem 23 Jahre älteren Peter Karl war sehr emotional – für Beide. „Ich kann es kaum beschreiben wie es ist, mit einem Menschen so eng verbunden zu sein. Wir werden den Kontakt als Zwillinge weiterhin pflegen.“

Am 3. August feierte Peter Karl seinen 3. Geburtstag und hofft die schlimme Krankheit besiegt zu haben. Glücklich und dankbar für die Chance seine Enkel aufwachsen zu sehen, hält er die erforderlichen regelmäßigen Kontrolluntersuchungen natürlich sehr genau ein.

Ein Kuriosum gibt es noch am Rande der Geschichte: Heiko, der Sohn von Peter und Carmen Karl wurde im März 2010 als Stammzellenspender angefragt. An der Universitätsklinik Tübingen hat er Stammzellen für einen Erkrankten aus England gespendet. Auch dieser Mann hat sich vier Jahre später bei Heiko persönlich bedankt. „Es ist für mich etwas ganz Besonderes, dass mein Sohn mit seiner Spende einem fremden Menschen geholfen hat und mir auf demselben Weg auch geholfen werden konnte“, sagt Peter Karl zum Abschied.

Text: Andrea Bacher-Schäfer

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