Fasnachtsumzug Bruchsal 1899, Foto: Fr. W. Leonhardt

Komitee Bruchsaler Fasnachtsumzüge | Isch was? Nix isch!

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Icon-Stadtmagazin WILLIDoch… Jubiläum isch und zwar 5 x 11 Jahre Komitee Bruchsaler Fasnachtsumzüge und das ausgerechnet im Corona-Jahr.

Historische Quellen weisen darauf hin, dass es schon 1844 in Bruchsal einen Fastnachtsumzug gab. Über den Verlauf des Umzugs gibt es allerdings keine Aufzeichnungen. Tatsache ist, dass die Leidenschaft für die Straßenfastnacht damals bei den Bruchsalern entfacht wurde. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis sich wieder närrische Brusler „auf die Gass wagten“. Das bis heute dafür zuständige Komitee Bruchsaler Fastnachtsumzüge (KBF) kann inzwischen auf 55 ereignisreiche Jahre zurückblicken.

Nach dem allerersten Umzug 1844, hat die Große Karnevalsgesellschaft Bruchsal (GroKaGe) erst wieder Unterlagen aus dem Jahr 1899 über einen Umzug. Nach einer erneuten Lücke, fanden von 1935 bis 1939 organisierte Fastnachtsumzüge statt, bis der Ausbruch des zweiten Weltkrieges diesem Brauch ein Ende setzte. Nach Kriegsende startete die GroKaGe Bruchsal 1952 wieder mit einem Fastnachtsumzug auf der Straße. Gleich im Jahr 1953 beendete ein großes Unglück in einer Bruchsaler Tabakfabrik schon wieder abrupt alle Gedanken an ein lustiges Treiben. Erst 1961 waren es dann die Fußballer vom VfB (Verein für Bewegungsspiele, heute 1. FC Bruchsal), die in Eigenregie wieder einen Umzug durchführten.

1982
1. KBF-Motivwagen 1980

Am 25. November 1965 legten Vertreter Bruchsaler Vereine, unter der Leitung des damaligen Präsidenten der GroKaGe, Fritz Kleemann, im Gasthaus zum Lamm (heute Brauhaus Walhall) den Grundstein für das Komitee Bruchsaler Fastnachtumzüge. Da eine Fastnachtskampagne am 11.11. eines Jahres als eröffnet gilt, wollte demzufolge das KBF also in 2020/21 das närrische Jubiläum 55 Jahre Bruchsaler Straßenfastnacht feiern. Dass man hier von der Corona Pandemie völlig ausgebremst werden würde, hätte niemand für möglich gehalten.

Die Gründungsmitglieder nutzten damals ihre Vereinszugehörigkeiten und natürlich auch ihren hohen Stellenwert in der Stadt dazu, möglichst viel Unterstützung für ihre Leidenschaft zur Narretei zu bekommen. Für Fahrzeuge, Baumaterial für die Wagen, Gutsele und Werbeplakate mussten schon damals einige tausend Mark an Spendengeldern aufgetrieben werden. Als Motor galt der 1. KBF-Zugmarschall Oskar Decker, der mit großem Engagement für seine Leidenschaft eintrat und über viele Jahre hinweg, das Gesicht der Brusler Fastnacht war.

Der erste große Umzug unter Federführung des KBF hatte schon eine beachtliche Teilnehmerzahl und steigerte sich im Lauf der Jahre auf etwa 100 Gruppen.

1988 wurden die „Brusler Holzlumpen“ gegründet. Mit dieser neuen Auftrittsform wollte man Personalschwund kompensieren und den Vereinsnamen Komitee Bruchsaler Fastnachtumzüge »Die Holzlumpen« 1965 e.V. durch eine Kostümgruppe mit zusätzlicher Lebendigkeit füllen.

Aktueller KBF-Motivwagen mit den dazugehörigen KBF-Damen.

Heute ist das KBF zuständig für die gesamte Organisation des Umzuges, vom Streckenverlauf über die Auswahl der teilnehmenden Gruppen, der Platzierung von Ausschankmöglichkeiten, den Toilettenhäuschen bis zum Verkauf der Plaketten. Die Frauen und Männer in den roten Uniformen sind auf die Einnahmen der jedes Jahr neu kreierten Plaketten angewiesen, um die erheblichen Kosten zu decken. Ohne die andauernde Unterstützung der Stadt Bruchsal und der Polizei wäre ein Umzug aber nicht durchführbar, besonders die erhöhten sicherheitstechnischen Anforderungen machen die Durchführung eines großen Faschingsumzuges heutzutage zu einem sehr großen Risiko. In diesem Zusammenhang hat sich die stetige Überarbeitung der Streckenführung (unter anderem weg von der „Kloschtergass“) als gut erwiesen.

Um mehr Bewegung ins KBF zu bekommen und damit weitere Helfer für die Umzugsplanung zu bekommen, wurde eine weitere Fußgruppe, die „Klosterberg-Trolle“ gegründet. Die Trolle dürfen sich auf den Umzügen als Fußgruppe richtig austoben und sorgen mit ihren Holzmasken verkleidet für Wirbel.

Der Umzug am 7. Februar (schon viele Jahre immer eine Woche vor Fastnachtsonntag), wäre mit der närrischen Schnapszahl 55 ein Jubiläums-Umzug für das KBF und seine angeschlossenen Abteilungen, hätte Corona nicht die ganze Kampagne torpediert. Die Einschränkungen der Corona Landesverordnung lässt weder Hallen noch Straßenfastnacht zu. 2021 ist Schluss mit Lustig.

Auf diese Enttäuschung trinken wir ein WILLI-Schnäpschen und freuen uns auf den Umzug 2022, der dann hoffentlich wieder möglich sein wird.

Wir rufen trotzdem allen ein dreifach kräftiges „Brusl AHOI, Brusl AHOI, Brusl AHOI“, zu.

 

Daten & Fakten

1965
Gründung KBF

1973
1. Umzugsplakette

1974
KBF löst sich von der GROKAGE, um als eigenständiger eingetragener  Verein die Straßenfasnacht zu organisieren.

1976
Siegbert Veith übernahm nach 11 Jahren das Amt des Zugmarschalls von Oskar Decker. Dieser wurde zum ersten Ehrenzugmarschall des KBF.

1981
Der Fastnachtssonntag fiel auf den 1. März, den Tag an dem Bruchsal durch Kriegsbomben zerstört wurde. Seither findet der Umzug eine Woche vor Fastnachtsonntag statt.

1982
Die im Vorjahr gegründete 1. Brus’ler Guggemusik „d´Schlabbedengla“ nimmt am Umzug teil.

1984
Zusammenschluss des KBF mit den „Büchenauer Griesknöpf“ zum Komitee Bruchsaler Fasnachtsumzüge 1965 e.V. – Bruchsaler Holzlumpen und Büchenauer Grießknöpf.

1988
Durch widrige Umstände fiel der Umzug aus, es wurde aber ein „Klostergassenfeschd“ gefeiert. Die Büchenauer Grießknöpf trennten sich in Freundschaft vom KBF. Alfred Blaschek übernimmt das Amt des Oberzugmarschalls von Siegbert Veith.

1990
Am Samstag vor dem Umzug fand zum ersten Mal das Monsterkonzert statt.

1991
Wegen des Golfkrieges wurde der Umzug abgesagt. Narrenkreis Bruchsal wurde gegründet.

2000
Die Narrenzunft Saalbachhexen treiben erstmals ihr Unwesen.

2001
Die „Schwallebrunne-Geister“ werden zum festen Bestandteil der Brus’ler Fastnacht.

2005
Die Bergfriedräuber sind auch in der Fastnacht aktiv.

2006
Thomas Stegmüller übernimmt das Amt des Oberzugmarschalls von Alfred Blaschek.

2007
Auf Wunsch vieler Umzugsteilnehmer wurde die Klostergasse von der Strecke umgangen, weil es immer wieder zu Zusammenstößen zwischen Zuschauern und Teilnehmern gekommen war.

2010
Die Klosterberg-Trolle nehmen am Umzug teil.

2012
Peter Dautermann übernimmt das Amt des Oberzugmarschalls von Thomas Stegmüller, der die Leitung des Monsterkonzertes übernahm. „Stegi“ verstarb im Sommer 2015 ganz plötzlich

Text: Andrea Bacher-Schäfer, Bilder: KBF
Aus RegioMagazin WILLI 2/21

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