Ubstadt-Weiher Kirche

JUBILÄUM | 30 Jahre Heimatverein Ubstadt-Weiher e.V.   

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09.06.2020 | Auf dem Weg zum Heimatverein Ubstadt-Weiher e.V.

Am 24.06.1989 trafen sich in Ubstadt die Herren Karl Beyerle (†), Reiner Dick, Dr. Helmut Engler, Wolf-Dieter Freier, Dr. Karl Schenk, Karl Serden (†), Hans Stöhr (†) und Dr. Geert Wenzel (alle wohnhaft in Ubstadt). Laut seinerzeitigem Sitzungsprotokoll gab es folgende Veranlassung zu diesem Treffen:

„Seit Jahren laufen Überlegungen, in Ubstadt-Weiher einen Verein zu gründen, der sich um orts- und heimatgeschichtliche Belange kümmert. Da im Zuge der im Rahmen des Landessanierungsprogrammes (LSP) geplanten Ortskernsanierung in Ubstadt gravierende Eingriffe in das gewachsene Ortsbild zu erwarten sind, wird ein Arbeitskreis gegründet, der sich außerdem um die Vorbereitungen zur Gründung eines Heimatvereins bemühen soll“ (Zitatende).

Das war die Geburtsstunde des „Arbeitskreises zur Pflege der dörflichen Kultur“ in Ubstadt.

Schon früh hatte sich die Gemeinde Ubstadt-Weiher lobenswerterweise um die Sanierung historischer Bausubstanz in den Ortskernen durch ein eigenes Dorfbildpflegeprogramm bemüht. Der weiter an vielen privaten Bauten „nagende Zahn der Zeit“, geändertes Anspruchsverhalten an Art und Umfang von Wohnraum, der Drang  zur zunehmenden Ausweisung von Neubaugebieten „auf der grünen Wiese“, geänderte Erwerbsstrukturen, Umbruch der Landwirtschaft und nicht zuletzt wachsende Verkehrsprobleme stellten viele Kommunen in den 1970er- und 80er-Jahren vor gewaltige Herausforderungen. Ubstadt-Weiher kam damals in den Genuss von entsprechenden Förderprogrammen des Landes. Im März 1987 erließ die Gemeinde Richtlinien über Art und Umfang von Förderungen und vor allem über die Gebietskulissen in den einzelnen Ortsteilen.

Eines der ersten in Ubstadt dorfbildgerecht sanierten Gebäude war 1987 die Gaststätte „Zum Engel“. Kernpunkt dieser Sanierung war das Anbringen eines auf der alten Bausubstanz beruhenden Fachwerkaufsatzes. In einem Artikel in der Bruchsaler Rundschau vom 16.05.1989 anlässlich des 25jährigen Betriebsjubiläums des Engelwirts Artur Harlacher wurde das Gebäude als „besonderer Blickfang im Ortskern von Ubstadt mit Pilotfunktion für die Dorfsanierung“ bezeichnet.

Ein Artikel vom 16.05.1989 berichtet über den „Einstieg in Straßenrückbaumaßnahmen und Wohnumfeldverbesserungen“ in Ubstadt. Genannt ist der dorfbildgerechte Rückbau der Straßen „Am Mühlbach“ und „Am Bergel“, bezuschusst zu zwei Drittel aus dem LSP. Intention der Verantwortlichen aus Gemeinde und Rat war der entsprechende Ausbau aller Straßen im Sanierungsgebiet, wenn und soweit die B 3 aus dem Ortskern verlagert und über die „Hinterwiese“ geführt wird. In einer Ausstellung im Rathaus in Ubstadt im Juli 1989 wurden der Bürgerschaft die Planungen, insbesondere die B 3-Verlegung, der Straßenrückbau im Ortskern und ökologische Ausgleichsmaßnahmen vorgestellt.

Speziell die Frage der B 3-Verlegung durch die Hinterwiese und die Kopplung dieses umstrittenen Projekts mit den weiteren Zielen der Ubstadter Ortskernsanierung wie Kindergartenerweiterung, Bau einer betreuten Altenwohnanlage, Ausbau der Sozialstation und Quartiersneuordnungen in der Ortsmitte „schieden die Geister“ innerhalb der Bevölkerung. Parteien, Verbände, Organisationen positionierten sich. Die Diskussionen um Für und Wider erfassten die gesamte Ubstadter Bevölkerung, quer durch alle gesellschaftlichen Schichten, teils quer durch einzelne Familien. Bei allem Engagement in den gegensätzlichen Standpunkten war diese Phase durchweg von Fairness geprägt. Das kann in hohem Maße dem amtierenden Bürgermeister Helmut Kritzer und seiner Mannschaft aus Verwaltung und Rat zugeschrieben werden. In vielen öffentlichen Terminen, Bürgergesprächen und -beteiligungen wurde weitgehend sachlich diskutiert und gerungen.

Letztendlich wurde die Kernfrage, die Verlegung der B 3 durch die Hinterwiese, in einem für die Gemeinde Ubstadt-Weiher erst- und einmaligen Ereignis entschieden.

Bei einem Bürgerentscheid am 25.03.1990 sprachen sich 80,8% der in Ubstadt Wahlberechtigten bei einer Wahlbeteiligung von 77,4% gegen diese Straßenverlegung aus. Damit waren auch „die Karten“ bei der Gestaltung der Ubstadter Ortskernsanierung „neu zu mischen“.

Seit seiner Gründung standen die Mitglieder des Arbeitskreises (AK)  in engem Kontakt mit der Gemeindeverwaltung und anderen Institutionen, etwa der katholischen Pfarrgemeinde. Es gab einen regen, offenen und sachlichen Austausch zu eingereichten Anfragen und Gestaltungsvorschlägen. Speziell Bürgermeister Kritzer begrüßte die Arbeit des AK, insbesondere auch die Planungen zur Gründung eines Heimatvereins (s. Foto). Gerade diese hauptsächliche Absicht des AK erfuhr während dieser Phase ihre umfassende Bestätigung.

Im Mitteilungsblatt vom 07.09.1989 berichtete der AK über die große Resonanz in der Bevölkerung auf diese Absicht. Da jeder Verein natürlich von seinen Mitgliedern lebt und sich speziell ein Heimatverein an deren Interessen ausrichten sollte, wurde ein entsprechender Fragebogen geschaltet. In dieser Phase stieß Konrad Kröll aus Stettfeld als erste Person außerhalb von Ubstadt zum AK.

Als weitere Werbeplattform im Hinblick auf die beabsichtigte Vereinsgründung stellte Dr. Helmut Engler die Hauszeitschrift seiner Storchen-Apotheke dem AK zur Verfügung. Hans Stöhr berichtete dort unter der sich selbst erklärenden Rubrik „Es war einmal …“ (s. Foto).

Zusätzlich zu den bereits Genannten gehören laut Liste, Stand 24.11.1989, folgende weitere Mitglieder dem AK an:
Gerhard Balzer † (Stettfeld), Peter Dutzi (Zeutern), Manfred Weber (Zeutern), Eberhard Prebel †, (Stettfeld), Günter Meier (Stettfeld), Doris Simianer (Ubstadt), Dr. Bernhard Stier (Zeutern), Wolfgang Stier (Zeutern), Alfons Woll (Stettfeld) und Erich Bellm (Weiher). Als sehr erfreulich wurde seinerzeit konstatiert, dass dieser „Gründungsstamm“ des künftigen Heimatvereins alle vier Ortsteile repräsentiert.

Am 16.11.1989 bekundete Bürgermeister Helmut Kritzer im Mitteilungsblatt das Interesse der Gemeinde an der Gründung eines Heimatvereins Ubstadt-Weiher. Ubstadt-Weiher deshalb im Vereinsnamen, weil sich der kommunale Zusammenschluss auf allen Ebenen widerspiegeln sollte, zumal die einzelnen Ortsteile weitgehend denselben geschichtlichen Hintergrund haben und Gemeinsames, das Ganze, immer mehr wirkt als die Summe seiner Teile.  Er rief dazu auf, sich zur Mitarbeit in diesem neuen Verein bereit zu erklären. Insbesondere erläuterte Bürgermeister Kritzer ausführlich die Ziele des künftigen Heimatvereins:

  • Pflege der Orts- und Heimatgeschichte,
  • Bewahrung der dörflichen Struktur,
  • Aufarbeitung und Bewahrung historischer Dokumente,
  • Pflege des örtlichen Brauchtums, der Mundart und weiterer für die hiesige Landschaft typischer Gegebenheiten,
  • Recherchen in den Bereichen Handwerk, Kirche, historische Gebäude, altes Liedgut, Archäologie,
  • Familienforschung,
  • Sammeln von musealen Gegenständen und
  • Einrichtung eines Dorfmuseums,
  • Aufruf an die künftigen Mitglieder, eigene Wünsche und Vorstellungen einzubringen.

Diese Planungsziele finden sich letztendlich inhaltlich auch in der Satzung des Heimatvereins wieder.

Die Gründungsphase nimmt in der Folgezeit weiter an Dynamik zu:

Die Mitglieder im AK  diskutieren bis zum Jahresende intensiv über den Inhalt einer Vereinssatzung. Im Januar 1990 geht der mittlerweile von Hans Stöhr erarbeitete Satzungsentwurf an die AK-Mitglieder und an die Gemeinde. Bis April 1990 gibt es mehrere Sitzungen und Besprechungen mit Bürgermeister Helmut Kritzer und Mitarbeitern zur Vorbereitung der Vereinsgründung. In der Folge werden Werbetafeln mit alten Ansichten aus den Ortsteilen wie z.B. Blick auf die Kirche in Stettfeld oder  Kuhfuhrwerk in Ubstadt (s. Foto) aufgestellt. Im Mitteilungsblatt erscheinen entsprechende Aufrufe, Handzettel werden verteilt. Die beabsichtigte Gründung des Heimatvereins ist „Dorfthema“ …

Auf der Titelseite des Mitteilungsblatts vom 07.06.1990 erschien dann die von Bürgermeister Helmut Kritzer unterzeichnete Einladung zur Gründungsversammlung, terminiert auf den 13. 06.1990 um 20 Uhr im Gewölbekeller des Fachwerkhauses Zeutern.

Quelle: Originalakten aus der Schaffensphase des Arbeitskreises zur Pflege der dörflichen Kultur und der Gründungsphase des Heimatvereins Ubstadt-Weiher

Text: Reiner Dick, Mai 2020, Fotos: Archiv HV

Auf der Homepage www.heimtverein-ubstadt-weiher.de (Rubrik Über uns) ist der Vortrag des damaligen 1. Vorsitzenden und heutigen Ehrenvorsitzenden, Dr. Waldis Greiselis, anlässlich des 20-jährigen Bestehens des Heimatvereins Ubstadt-Weiher eingestellt. Dort können Sie die Namen der Gründungsmitglieder, die Entwicklung und die Aktivitäten des Heimatvereins nachlesen. Auf Dr. Waldis Greiselis folgte im Jahr 2012 Michael Staudte, im Jahr 2018 übernahm Ursula Hohl den 1. Vorsitz. Christian Mannek ist 2. Vorsitzender seit 2012.

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