HAUS UND GARTEN :: Glück, Geschick und offene Augen

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Das Elternhaus von Roland Baumgärtner wurde in den 1950er Jahren gebaut. Aber wenn man den Hof betritt, fühlt man sich wie in einer mittelalterlichen Burganlage – und das mitten in Büchenau.

„Ich könnte zwei Leben brauchen bei dem, was ich noch vorhabe“,

Gemütlich: Hier spielt sich im Sommer das Leben ab.
Gemütlich: Hier spielt sich im Sommer das Leben ab.

lacht Roland Zimmermann. Dabei hat er schon sichtbares geleistet, allein wenn man seinen Hof anschaut. Die frisch verputzte gelbe Hausfassade mag noch einen modernen Eindruck vorgaukeln, aber wenn man um die Säule aus Sandstein in die Einfahrt einbiegt, legt man mit jedem Meter ein paar Epochen zurück.

Das schmiedeeiserne Tor etwa enthält Schmuck-Elemente aus dem Hotel Ritter, die nun an neuem Ort erstrahlen. „Man muss nur die Augen offen halten – und Glück haben“, sagt der 64-Jährige. Wenn er mitbekommt, dass ein altes Haus abgerissen werden soll, fragt er schon mal nach, ober er etwa die Fensterläden oder eine Holztür bekommen kann. Und wenn er vertröstet wird, fragt er später halt nochmal. Und nochmal. Auch Sandsteine hat er in verschiedenen Größen gesammelt und damit etwa einen Turm um die Außentreppe gemauert. Als gelernter Werkzeugschlosser hat er die Treppe aus Winkeleisen natürlich auch selbst gemacht, ausgegossen und gefliest.

„Was bringt er denn jetzt schon wieder?“

Besonders stolz ist er allerdings auf ein Relief, das die Bruchsaler Sagenwelt um den Michaelsberg sowie den Schwallenbrunnen aufgreift.

Früher war es in der Bruchsaler Schloßstraße an einem Haus, das im Krieg weitgehend zerstört wurde. Die Besitzer verwahrten die Fragmente zunächst noch auf, bis sie irgendwann doch auf den Müll sollten – doch dem kam Roland Baumgärtner zuvor.

Hingucker: Das Tor mit Schmuck-Elementen aus dem Hotel Ritter.
Hingucker: Das Tor mit Schmuck-Elementen aus dem Hotel Ritter.

Er hat sich Tipps von Steinmetzen geholt, wie er die abgebrochenen Details wieder restaurieren konnte: so bekam der Jüngling wieder einen Gürtel, der Drache seinen Schwanz zurück und Erzengel Michael sogar ein eisernes Schwert.

„Hier im Hof spielt sich im Sommer unser Leben ab“ sagt Baumgärtner, der die ehemalige Waschküche zur Sommerküche umfunktioniert hat. Natürlich wird in der Familie auch gerne gefeiert – wer jahrzehntelang Präsident der Büchenauer Karnevals-Gesellschaft war, hat das im Blut, da feiern in dem Ambiente auch mal Familienmitglieder ihren runden Geburtstag, die eigentlich bereits ausgezogen sind. Dann ist auch das ständig wiederkehrende Kopfschütteln vergessen, das mit jeder Anhängerfuhre einsetzt. „Was bringt er denn jetzt schon wieder?“ heißt es, wenn eine Ladung Tonziegel oder steinerne Türrahmen im Hof steht. In der Scheune warten die antiken Teile auf ihre neuen Aufgaben, bis sie eines Tages wieder eine Funktion bekommen – durch Glück, Geschick und offene Augen.

Text und Bilder: Armin Herberger