Die Chefin Sonja Schimmelpfennig mit Shadow.
Die Chefin Sonja Schimmelpfennig mit Shadow.
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HAUS UND GARTEN :: Abseits der Realität

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Sonja Schimmelpfennig bewirtschaftet und pflegt in Karlsdorf einen privaten kleinen Gnadenhof für Tiere. Hauptsächlich Pferden gibt sie hier die Chance auf ein besseres, schmerzfreieres und glücklicheres Leben.

„Karlsdorfs Little Ranch, Ende der realen Welt“ steht auf einem Straßenschild an einem Feldweg, der zu einem liebenswerten Reitstall für Kinderträume auf Pferderücken führt.

Momentan leben acht Pferde, davon zwei Ponys, zwei Haflinger und vier Quarter Horses auf der Ranch und werden je nach gesundheitlicher Verfassung freitags und samstags beim Reitunterricht mit Kindern eingesetzt. Die Haflinger sind ausgediente Kutschpferde und sollten zum Schlachter. Mit erkrankter Lunge, Hufrehe, Arthrose, eins mit einem unbehandelten Gesichtsbruch, das Andere mit einem nach innen gekehrten Brustbein, war der Zustand der Pferde schlecht. Mittlerweile geht es beiden Pferden deutlich besser  und bei dem Anblick einer Kutsche werden die beiden freudig nervös. Grund genug für Sonjas Mann Rolf den Kutschenführerschein zu machen. Eine leichte Kutsche steht bereits in der Garage. „Sowie die Verletzungen gänzlich verheilt sind und „nur“ noch die sogenannten Altersgebrechen übrig sind, dürfen die beiden Mädels wieder ab und an vor die Kutsche. Bei uns kann man sich ja aufs Flachland beschränken“ , freut sich die Pferdenärrin.

Alles begann in Iffezheim

Schon als Jugendliche kam Sonja zu dem Schluss Pferde retten zu wollen. Im Reitunterricht beim Springen, der Dressur oder dem Westernreiten tat ihr das SPORTGERÄT Pferd immer mehr leid und als sie sah, wie unwillige, unangepasste oder nicht schöne Tiere einfach verschwanden und nicht selten an den Schlachter verkauft wurden stand ihr Entschluss fest:  „ich rette später einmal kranke und auch sogenannte „böse“ Pferde.“

 

Pferdeliebhaber und wertvolle Helfer: Melanie Braun, Lisa Bickel, Marina Schramm.
Pferdeliebhaber und wertvolle Helfer: Melanie Braun, Lisa Bickel, Marina Schramm.

 

1993 trat das Islandpony Anka  in ihr Leben. Keine Schönheit, bockig und bissig, eine echte Herausforderung. Es dauerte eine ganze Weile, bis die Eltern überzeugt waren, dass nur dieses eine Pferd ihre Tochter glücklich machen könne. Ein Nachbarsmädchen, hatte in Opas Garten einen Stall mit einem Shetlandpony und einer Geiß und Sonjas Anka fand dort einen Stellplatz. Nach einiger Zeit baute die Familie auf einem angrenzenden Terrain einen eigenen Stall mit Koppel. Bei einem Termin in der Tierklinik Iffezheim bekam Sonja ein krankes Rennpferd geschenkt. Zu zweit konnten die Beiden nun in den neuen Stall umgesiedelt werden. Es sprach sich herum in Iffezheim und immer wieder wurden ihr kranke oder nicht reitbare Rennpferde angeboten. Sie fanden eine neue Heimat in Karlsdorf, wurden resozialisiert, erlernten „normales Tempo“ und konnten oft erfolgreich in gute Hände vermittelt werden.

„Ich würde am liebsten alle Pferde behalten“, sagt Sonja noch heute, „aber Pferde und vor allem kranke Tiere sind teuer und so war 2007 die finanzielle Grenze erreicht,  sodass die Kosten privat nicht mehr gestemmt werden konnten.“ Sonja Schimmelpfennig  gründete „Karlsdorfs Litte Ranch“ und meldete den Reitstall an.

Inzwischen gibt es 90 Reitkinder auf der Ranch und ganz besonders beliebt sind die Kindergeburtstagsfeiern mit Pferden, Eseln und Ziegen auf der Ranch. Der Reitstall bietet zwischenzeitlich auch Tierpatenschaften für 25 € im Monat an. Als Gegenleistung darf jeder Pate/Patin den Schützling alleine für 1 ½ Stunden im Monat pflegen, reiten und betüddeln.“

Ehrenamtliche Hilfe für Hospizkinder

„Als 2010 unsere Zwillinge geboren wurden begann eine neue Zeit auf der Ranch“, erzählt Sonja. „Meine Jungs hatten alles andere als einen guten Start ins Leben, aber mittlerweile sind sie zu gesunden Lausbuben herangewachsen. Wir sind dankbar, dass sich alles zum Guten gewendet hat und helfen seit dem Familien, die nicht so viel Glück haben wie wir. Wir holen die Menschen regelmäßig zu uns und mit Hilfe der Tiere gelingt es dann oft, unheilbar kranken Hospizkindern und ihren Familien eine kurze Weile „Normalität und Glücklichsein“ zu ermöglichen.“ Diese Begegnungen finden auf ehrenamtlicher Basis statt. So wurden auch die Einnahmen der Pferdesegnung 2014 für den Kinderhospizdienst Karlsruhe gespendet.DSC03738

„Leider kann nicht allen kranken Tieren  geholfen werden und so liegen Freud und Leid oft eng beieinander“, so die Tiernärrin, „oft muss ich so manche Kindertränen trocknen.“ Doch es gibt auch freudige Ereignisse auf der Ranch. So fiebern alle gespannt der Geburt eines Fohlens entgegen. Die trächtige Stute sollte zum Schlachter, weil der Besitzer verstorben war. Sonja erwarb so zum Schlachtpreis, ein gesundes Tier, das Ende des Monats sein Fohlen zur Welt bringen wird.

Das oberste Gebot der „Little Ranch“ lautet: „GEMEINSAM mit dem Pferd ans Ziel kommen und nicht auf Kosten des Pferdes nur das eigene Ziel erreichen wollen“. Auf die Einhaltung achtet Sonja genau. Sowohl bei den Mitarbeitern als auch bei den Kindern.

Text und Bild: Heidi Hyar-Röpke

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