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LKW-Fahrer

Gesucht: Männer mit starken Nerven

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Icon-Stadtmagazin WILLI Lastwagenfahrer Sven Heger erzählt von seinem Berufsalltag

Lastwagenfahren macht Sven Heger aus Forst immer noch Spaß. Doch die Frustmomente häufen sich. Anfeindungen, denen er sich auf seinem Weg ständig ausgesetzt sieht sind so alltäglich geworden, dass er sie fast schon als Grußgesten wahrnimmt. Wenn er sich in seinem 40-Tonner auf die Straße begibt, stellt er sich ein auf Rücksichtslosigkeit und Aggressionen von anderen Verkehrsteilnehmern.

Die Zeiten als der Trucker das Gefühl von Freiheit hatte,  sind längst vorbei“, sagt der 35-Jährige. „Der Job ist anstrengend und hart geworden. Der Verkehr hat stark zugenommen und fordert höchste Aufmerksamkeit. Wenn auch der Schwerlastverkehr weiter zunimmt, weiß ich nicht wie das noch enden wird.“

Sven hat ein eigenes Fuhrunternehmen  und fährt Waren einer großen Drogeriemarktkette von Waghäusel nach Göppingen. Allein der Weg vom Logistik-Center  zur Autobahn kostet ihn schon viel Nerven. Wenn er durch Ortschaften fährt sind böse Blicke noch das Geringste, nicht selten erhält er lautstarke Drohungen. „Ich kann’s nicht ändern, ich muss die Wege durch Ortschaften bis zur Autobahn wählen, es geht nicht anders. Würde ich es nicht machen, kann meine Ladung nicht am Zielort ankommen und dann würden die Leute sich beschweren,  wenn Sie vor leeren Regalen stehen.“

Aufregen tut er sich darüber nur noch selten, man stumpft ab, aber es begleitet doch seinen täglichen Fahralltag und es gibt Reaktionen, die er einfach nicht nach vollziehen kann. „Probleme bieten häufig die engeren Straßen. „Wenn ich beispielsweise in Hambrücken durch die Kirchstraße
fahre oder in Forst auf der Hambrücker Straße wird es oft sehr eng, da Autos am Straßenrand parken. Ich bin dann mit Hänger unterwegs und es ist nicht möglich für mich rückwärts zu fahren um einen mir entgegen kommenden Verkehrsteilnehmer durchfahren zu lassen. Viele Autofahrer beharren jedoch darauf, dass ich rückwärts fahre und den Weg frei mache.

Das kostet jedesmal Zeit und Nerven und Beschimpfungen sind an der Tagesordnung.

Auch Tanken ist jedesmal eine Herausforderung und verlangt dem LKW-Fahrer starke Nerven ab. „Es dauert natürlich seine Zeit bis beide Tanks eines Lastwagens befüllt sind. Da geht dann an einer Tankstelle nicht mehr wirklich viel. Regelmäßig versuchen Autofahrer sich an meinem LKW vorbei zu zwängen um an eine andere Zapfsäule zu gelangen um dann zu bemerken, dass der Platz nicht ausreicht oder sie geben noch schnell Gas um vor mir in die Tankstelle einzufahren. Oft werde ich ausgebremst, was mit einem 40-Tonner nicht ganz ungefährlich ist. Verständnis dafür, dass auch ein LKW betankt werden muss gibt es nicht, die Beschimpfungen in einer solchen Situation sind extrem.“

Ein weiteres großes Problem sind die nicht vorhandenen Parkplätze für LKWs. Vor allem am Wochenende wenn die LKWs ihre Ruhephase einlegen geht die nervenaufreibende Sucherei  los. Man sieht es deutlich auch auf den Autobahn-Raststätten. „Da herrscht Chaos und es kann schon mal lebensbedrohlich  werden mit den wild parkenden Kollegen“, so Heger, der in seinem Fuhrunternehmen weitere sieben Fahrer beschäftigt. „Natürlich wie alle, haben auch meine Fahrer Probleme bei der Parkplatzsuche. Es gibt einfach zu wenige. Hat man einen gefunden stößt man wiederum auf Unbehagen bei anderen Verkehrsteilnehmern, da das Rangieren zu lange dauert.  Das Problem wird noch größer werden, weil der Warenumschlag zunehmen wird und somit immer mehr LKWs unterwegs sein werden.“

Die Zukunft scheint düster, nicht weil Arbeit wegfallen könnte, sondern weil die Rahmenbedingungen schwieriger werden. Zeitdruck, Baustellen und Kunden, die ihre Disposition kurzfristig ändern, machen den Trucker-Fahrern das Leben zusätzlich immer schwerer. „Es wird immer schwieriger Fahrer zu finden. An der Bezahlung liegt das nicht, aber an den schlechten Rahmenbedingungen. Irgendwann wird der Kunde vielleicht doch vor einem leeren Regal stehen, weil keine Fahrer mehr da sind. Das sollte jeder bedenken, der sich über einen LKW ärgert. Am Ende machen wir nur unseren Job und jeder ist dankbar, wenn am nächsten Morgen das benötigte Toilettenpapier im Einkaufsregal steht.“

Wie werde ich LKW-Fahrer?

Fahrerlaubnis-Neubewerber für Bus- bzw. Lkw-Fahrer müssen eine Grundqualifikation nachweisen. Zu erreichen über zwei Möglichkeiten:

1. Berufsausbildung
Duale, 3-jährige Ausbildung zum Berufskraftfahrer. Beinhaltet den Führerscheinerwerb und die betriebliche Ausbildung. Voraussetzung: vorhandener PKW-Führerschein, mind. Hauptschulabschluss, positiver Sehtest, ärztliche Bestätigung, Erste Hilfe Kurs.

2. Beschleunigte Grundqualifikation
Hier muss der Bewerber einen 140-stündigen Lehrgang absolvieren. Dann kann er sich bei der Industrie- und Handelskammer zur Prüfung anmelden.

Text: Christina Notheisen, Bilder: Sven Heger

Erstveröffentlichung in RegioMagazin WILLI 01/20

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