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CORONA | Heftige Kritik an Rationierungsplan von Jens Spahn

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21.11.2021 | Landesärztekammer kritisiert Rationierung von BioNTech-Impfstoffen als „planlos und unüberlegt“

Das Bundesgesundheitsministerium hat für die nächsten Wochen für den Impfstoff von BioNTech Bestellmengen-Begrenzungen angekündigt. Hintergrund ist das Ziel, dass das Präparat von Moderna bei den Auffrischungsimpfungen häufiger verimpft wird. Man befürchtet, dass eingelagerte Moderna-Dosen dann bis Februar 2022 verfallen könnten. Demnach sollen Hausarztpraxen vorerst höchstens 30 Dosen BioNTech pro Woche bestellen können, Impfzentren dagegen 1020 Dosen.

Stattdessen sollen die Ärzte mehr Moderna-Impfstoff bestellen. Wenn Bürger für sogenannte Boosterimpfungen bereits mit Biontech gebucht haben, könnte es dennoch sei, dass sie Moderna als Alternative bekommen.

Vertrauen ginge zusehends verloren

Die Landesärztekammer Baden-Württemberg hat die Ankündigung von Bundesgesundheitsminister Spahn, die Auslieferung des Impfstoffes von Biontech/Pfizer zu rationieren, scharf kritisiert. In der Vertreterversammlung der Standesvertretung der über 70.000 Ärztinnen und Ärzten im Südwesten hieß es am Samstag: „Diese Entscheidung des Ministers ist planlos und unüberlegt. Sie sorgt für maximale Verunsicherung in der Ärzteschaft und bei den impfwilligen Bürgern.“

Der Präsident der Landesärztekammer Baden-Württemberg, Dr. Wolfgang Miller, befürchtet, dass das Vertrauen der Menschen in die Impfkampagne durch diese Rationierung verlorengehen kann und betont: „Die Krankenhäuser im ganzen Land liegen in der Bekämpfung der Pandemie seit Monaten über der Belastungsgrenze. Und auch die Teams in den Praxen arbeiten bis zum Umfallen. Zu den Infektwellen und den Corona-Abstrichen kommen noch die Impfungen. Für die nächsten Wochen wurden bereits zahllose Impftermine vereinbart und dazu passend Impfstoffe geplant. Noch vor Kurzem war zugesagt worden, dass alle Impfstoffe uneingeschränkt zur Verfügung stehen. Jetzt wird diese Planung von der Politik über den Haufen geworfen. Der Bundesgesundheitsminister erzeugt damit massiv erhöhten Beratungsbedarf in den Praxen und verunsichert Patientinnen und Patienten. Damit geht auch Zeit verloren, die eigentlich für das Impfen eingeplant war.“

Der Kammerpräsident betont: „Dass das Impfen in den letzten Wochen und Monaten nur langsam vorangegangen ist, liegt nicht an der Unfähigkeit der Ärztinnen und Ärzte. Wir sind nicht verantwortlich für die jüngsten Fehleinschätzungen der Politik und schon gar nicht für eine nach wie vor große Impfskepsis.“

Zusätzliche landesweite Impfaktion der niedergelassenen Ärzteschaft am kommenden Samstag, 27.11.2021

Zudem hat die Landesärztekammer darauf hingewiesen, dass die Ärzteschaft – neben zahllosen lokalen Impfterminen – am Samstag, 27. November in vielen Arztpraxen, in öffentlichen Gebäuden und an zahlreichen Orten auch außerhalb der Praxen eine landesweite Impfaktion anbietet unter dem Motto „Wir impfen für Ihr Leben gern“. Diese Aktion richtet sich an alle Menschen in Baden-Württemberg ab zwölf Jahren.

Appell an die Bevölkerung sich gegen Corona impfen zu lassen

Die Impfung sei nach Überzeugung der Ärzteschaft die wertvollste Waffe gegen die Coronapandemie. In einem Beschluss der Vertreterversammlung vom Samstag heißt es hierzu wörtlich: „Gerade angesichts stark steigender Corona-Inzidenzen appelliert die baden-württembergische Ärzteschaft eindringlich an die Bevölkerung, sich jetzt gegen Corona impfen zu lassen.“

Die Delegierten betonten, dass Ungeimpfte nicht nur ihre eigene Gesundheit aufs Spiel setzen, sondern dass sie auch alle Menschen gefährden, mit denen sie in Kontakt kommen, im Öffentlichen Personennahverkehr, am Arbeitsplatz, in der Freizeit.

Weiter heiß es im aktuellen Impfappell der Landesärztekammer: „Die Ärztinnen und Ärzte im Südwesten stehen bereit, die Menschen eingehend über alle Aspekte der Coronaimpfung zu informieren und ihnen die Impfung anzubieten, vor allem den Ungeimpften. Wer sich impfen lässt, leistet seinen Beitrag, die körperliche Unversehrtheit der Gesellschaft zu wahren und die Zukunft des Landes zu sichern und trägt dazu bei, die vielfach geforderte gesetzliche Impfplicht zu vermeiden.“

Nicht vergessen werden sollen nach Überzeugung der Ärztinnen und Ärzte in Baden-Württemberg die AHA-Maßnahmen, die allgemeine Verringerung persönlicher Kontakte sowie die Wahrnehmung von Testangeboten.

Die Delegierten warnten eindringlich: „Die Pandemiesituation in Deutschland ist aktuell sehr angespannt, die Verbreitung des Coronavirus hat mit der vierten Welle stark an Dynamik hinzugewonnen. Eine weitere Zunahme der Infektionen kann für die gesamte Gesellschaft zu einer ernsten gesundheitlichen Gefahr werden.“ Kammerpräsident Dr. Miller ergänzte: „Wer sich impfen lässt, schützt sich und andere. Besonders diejenigen, die beruflich und privat eng mit anderen Menschen in Kontakt kommen, müssen ihrer Verantwortung gerecht werden und sich impfen lassen.“

Über die Landesärztekammer Baden-Württemberg
Die Landesärztekammer Baden-Württemberg (www.aerztekammer-bw.de) vertritt die rund 70.000 Ärztinnen und Ärzte in Baden-Württemberg. Zu ihren Aufgaben gehören die Fort- und Weiterbildung von Ärztinnen und Ärzten, die Berufsaufsicht, die Qualitätssicherung sowie die Information von Bürgerinnen und Bürgern über die ärztliche Tätigkeit sowie berufsbezogene Themen.

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