Schloss Bruchsal (Foto Carl Ohler)
Schloss Bruchsal, Foto: Carl Ohler

Bruchsal | Stadtgeschichte wird Theater

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Reportage | Mit dem Geschichts- und Theaterprojekt ‘Es ist UNSERE Geschichte’ wird sich die Badische Landesbühne in den kommenden zwei Spielzeiten mit der Bruchsaler Stadtgeschichte beschäftigen.
Synagoge in Bruchsal, Foto: Carl Ohler

Dank einer Förderung in Höhe von 48.000 Euro aus dem Innovationsfonds des baden-württembergischen Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst kann das Theater jetzt dieses umfangreiche Vorhaben in die Tat umsetzen.

In einem ersten Schritt wird es einen Recherche-Prozess anleiten und begleiten, der allen interessierten Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Bruchsal offensteht. In regelmäßigen Treffen und Workshop-Wochenenden sollen Quellen und Dokumente gesammelt, ausgewertet und diskutiert, Berichte von Zeitzeugen erfasst und zugänglich gemacht werden.

Das zusammengetragene Material wird Grundlage verschiedener Theaterprojekte sein. Unter Beteiligung der BLB-Bürgertheater sowie des BLB-Ensembles wird Bruchsaler Stadtgeschichte zu Theater werden. Seinen vorläufigen Abschluss soll das Projekt in einer Aktionswoche zur Stadtgeschichte im März 2021 finden. In dieser Woche sollen verschiedene Orte in der Stadt bespielt werden, Expertengespräche und themenbezogene Stadtrundgänge sollen das Programm ergänzen.

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Seit 2012 ist der Innovationsfonds Kunst ein wichtiger Baustein in der Kulturpolitik der Landesregierung. Er eröffnet neue Spielräume in der Kunstszene – in sämtlichen Sparten und Bereichen. Die zusätzliche Förderung ermöglicht es, kulturelle Akzente zu setzen, innovativen künstlerischen Fragestellungen Raum zu geben sowie aktuellen Herausforderungen und zentralen gesellschaftlichen Themen mit den Mitteln von Kunst und Kultur zu begegnen. Um den Zuschlag im Jahr 2019 haben sich Kunst- und Kultureinrichtungen aus ganz Baden-Württemberg mit mehr als 160 Anträgen beworben. Zwei unabhängige Jurys haben daraus 31 Projekte zur Förderung ausgewählt.

Ein Interview mit dem Fotograf Carsten Ramm über das Projekt der BLB

„Ein Nachdenken über Geschichte ist immer auch ein Nachdenken über Gegenwart und Zukunft“

Carsten Ramm, Foto: Sonja Ramm

Herr Ramm, ein Projekt der Badischen Landesbühne mit dem Titel ‘Es ist UNSERE Geschichte’ wird vom Innovationsfonds des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg mit 48.000 € gefördert. Was haben Sie vor?
Die Bruchsaler Stadtgeschichte soll zu Theater werden. Die Mittel aus dem Innovationsfonds geben uns die Möglichkeit, ein Projekt mit diesem Ziel zu planen und durchzuführen. Das Interesse der Bruchsaler Bürgerinnen und Bürger ist groß, sich mit der Geschichte ihrer Stadt auseinanderzusetzen. Das zeigte sich im letzten Jahr insbesondere an der Debatte um die Nutzung des Grundstücks, auf dem bis 1938 die Bruchsaler Synagoge stand und auf dem 1953 das Feuerwehrhaus errichtet wurde. Auch wir haben bei unseren Veranstaltungen zu Themen der Stadtgeschichte immer großen Zuspruch erfahren. Wir als Theater wollen daher den Bürgerinnen und Bürgern ein Forum zur Beschäftigung mit der Geschichte ihrer Stadt bieten und die Ergebnisse in szenischer Form präsentieren.

Wie genau sollen die Bürgerinnen und Bürger in das Projekt eingebunden werden? Und wie werden die Ergebnisse präsentiert?
Ein erster Schritt ist der Recherche-Prozess, der allen Interessierten offensteht. In einer Geschichtsarbeit „von unten“ sollen Dokumente gesammelt, ausgewertet und diskutiert, Zeitzeugen befragt und ihre Berichte zugänglich gemacht werden. Aus den zusammengetragenen Materialien werden Bühnentexte erstellt. Oder das Material – ich denke zum Beispiel an Fotografien – kann anderweitig als Ausgangspunkt für theatrale Herangehensweisen dienen. Die Ergebnisse wollen wir in den nächsten beiden Spielzeiten präsentieren, zunächst in der Bürgertheater-Inszenierung in der Spielzeit 2019.2020. Seinen vorläufigen Abschluss soll das Projekt in einer Aktionswoche zur Stadtgeschichte im März 2021 finden. Hier werden das BLB-Ensemble und die Ensembles der Bürgertheater verschiedenste Orte in der Stadt bespielen. Themenbezogene Stadtrundgänge und Gespräche mit Expertinnen und Experten sollen das Programm ergänzen. Denkbar wäre aber auch eine Dokumentation der Ergebnisse über die Inszenierungen hinaus, zum Beispiel auf einer Website.

Theater und Geschichte – wie geht das eigentlich zusammen?
Geschichte war schon immer Gegenstand von Theater und Stoff für Theaterliteratur – denken Sie nur an die Königsdramen Shakespeares! Uns geht es allerdings darum, der weniger prominenten lokalen Geschichte zu einer Öffentlichkeit zu verhelfen. Zwar liegen Publikationen zur Stadtgeschichte vor, vieles ist aber noch zu entdecken: in Quellen, Dokumenten, Archiven und durch Gespräche mit Zeitzeugen. Wir wollen uns umschauen, auf die Suche machen und das Gefundene mit den Mitteln des Theaters präsentieren. Theater kann Dinge anschaulicher erzählen als jedes Buch und verschafft einen unmittelbaren, sinnlichen Zugang. Wir wollen der Stadtgeschichte zu Präsenz und Öffentlichkeit verhelfen – ihr schlichtweg „eine Bühne geben“ – und sie zur Debatte und Diskussion stellen. Ein Nachdenken über Geschichte ist immer auch ein Nachdenken über Gegenwart und Zukunft.

Mit wem wollen Sie gemeinsam über die Stadtgeschichte nachdenken?
Je heterogener die Gruppe ist, desto besser. Ich stelle mir einen Raum für generationenübergreifende Begegnungen vor, aber auch für Begegnungen zwischen Alteingesessenen und Zugezogenen. Menschen, die vielleicht noch nichts über die Geschichte der Stadt Bruchsal, vielleicht auch wenig über die deutsche Geschichte wissen, dafür aber ganz andere Erfahrungen mitbringen, sind natürlich ebenso herzlich willkommen. Sie begegnen der Stadtgeschichte mit einem unvoreingenommenen, frischen Blick. Wir wollen die Geschichtswerkstatt, die wir letzte Spielzeit ins Leben gerufen haben, hier fortführen. Und natürlich wollen wir mit denjenigen zusammenarbeiten, die sich schon länger mit der Stadtgeschichte befassen: zum Beispiel der Initiative Bruchsaler Stolpersteine, dem Verein zu Erhaltung Historischer Bauwerke in Bruchsal, dem Stadtarchiv und der sich in der Gründung befindenden Historischen Kommission.


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