NEUESTE MELDUNGEN
START / 03 – THEMEN / Individuelles Leben / Beruf & Karriere / Bruchsal/Peru | Kurze Auszeit im Regenwald
Sibylle Letz | Peru

Bruchsal/Peru | Kurze Auszeit im Regenwald

Sibylle Letz erfüllte sich einen kleinen Traum, nahm unbezahlten Urlaub und fand sich wieder in 42 Meter Höhe im Regenwald von Peru.

Aus dem RegioMagazin Willi 03/18

Der Wunsch, einmal etwas ganz anderes als die übliche Büroarbeit zu machen, wurde immer stärker. Da habe ich einfach mal bei meinem Arbeitgeber nachgefragt, ob ich eventuell für einige Zeit freigestellt werden könnte.” Sibylle Lenz arbeitet in der Sparkasse Kraichgau in der Hauptstelle in Bruchsal und sie bekam problemlos die Einwilligung für unbezahlten Urlaub. “Da ich die Zusage nun quasi in der Tasche hatte, musste ich nur noch das passende Projekt finden.”

Hängebrücke | Abtieg von der Plattform
Absteig über Hängebrücken von der Plattform in 42 Metern Höhe

Ein paar Wochen später fand sie sich wieder, mitten im Regenwald von Peru als Mitglied eines Freiwilligenprojekts. 4 Wochen nahm sie dafür unbezahlten Urlaub und verbrachte ihre Zeit in einem Animal Release Center nahe der Grenze zu Bolivien. Hier befindet sich das ökologische Reservat „Taricaya“, in dem sie mit anderen Freiwilligen und peruanischen Betreuern zusammenlebte und Arbeit im Naturschutz leistete. Neben vielen anderen Bereichen kümmern sich die Mitarbeiter dieses Projektes um die Pflege und Erforschung der im Reservat lebenden Brüllaffen und sie engagieren sich gegen das Geschäft mit illegal gehaltenen exotischen Haustieren, welches leider recht verbreitet ist. In einem Auswilderungsprojekt werden gefangene Tiere wieder in ihren natürlichen Lebensraum eingegliedert.

 

Brillenbär | Peru
Brillenbären leben normalerweise in den Anden
schwermisshandelter Brillenbär | aufgepepelt
Ein schwermisshandelter Brillenbär aus einem Zirkus wird aufgepäpelt

Das Camp „Taricaya“ konnte nur mit dem Boot erreicht werden. 11 Freiwillige querbeet aus Deutschland, Österreich, Belgien, Niederlande, Dänemark, Großbritannien, USA waren vor Ort, als Sybille dort ankam. Die Mitarbeiter und Freiwilligen haben dort mitten im Regenwald ein kleines Dorf errichtet. „Es gibt eine Werkstatt, dort werden Produkte aus Mahagoni selbst angefertigt, ein Gemeinschaftshaus mit Küche, ein weiteres Gemeinschaftshaus mit Tischtennisplatte, zahlreichen Büchern und einem Fernseher, einen offenen Raum mit mehreren Hängematten und Gruppenbungalows mit Stockbetten. Direkt hinter dem Camp führt ein Weg zum Animal Release Center. Hier waren die Tiere in Käfigen untergebracht.“

Gestartet wurde morgens um 5 Uhr.

Immer abends wurde festgelegt, wer am nächsten Tag welche Arbeit zu tun hat. Gestartet wurde dann morgens um 5 Uhr. „Das Projekt umfasst eine Vielzahl von Tätigkeiten – jeder Tag war spannend und abwechslungsreich. Wir durften die Verpflegung der Tiere vorbereiten, sie füttern, die Käfige reinigen und beim regelmäßigen Training mit bestimmten Tieren helfen und bastelten Spiele zur Unterhaltung der Tiere. Zum Beispiel haben wir Grashüpfer gesammelt und in Flaschen gesteckt. Aber auch der Erhalt des Camps, zählte zu unseren Aufgaben. Vom Reparieren der (Hänge-)Brücken und Gebäude, die Pflege der bereits geschlagenen Pfade mit der Machete, bis hin zum Beschriften von Wegen. Weiterhin wurden Schmetterlinge kurzzeitig eingefangen, fotografiert, katalogisiert und wieder freigelassen. Ebenso wurden Vögel beobachtet, um die Entwicklung der Artenvielfalt zu bestimmen. Teilweise konnten Tiere des Animal Release Center zurück in die Natur entlassen werden. Es sind so viele abwechslungsreiche Aufgaben, dass ich hier nur einen Bruchteil aufführen kann.“

Es gibt dort neben verschiedenen Schlangenarten auch Vogelspinnen

Eine wirklich gefährliche Situation hat Sybille im Regenwald nicht erlebt. „Mir wurde auch kein Fall bekannt, bei dem ein Freiwilliger zu Schaden kam. Aber klar, es gibt dort neben verschiedenen Schlangenarten auch Vogelspinnen. Deshalb habe ich immer darauf geachtet, dass meine Schuhe im Zimmer stehen und nicht davor. Außerdem habe ich sie so aufgestellt, dass nichts so leicht in die Schuhe krabbeln kann. Vor dem Anziehen war es sinnvoll, die Schuhe auszuklopfen. Oft hatten wir Gummistiefel an, die einen gewissen Schutz bei Wanderungen durch den Regenwald boten. Aber gerade darin haben es sich Tiere gerne bequem gemacht. Ein großes Problem waren die aggressiven Wespen. Beim Freischlagen eines Weges mit der Machete hat man gerne mal ein Wespennest getroffen. Mein Rekord lag bei 6 Stichen im rechten Arm.

Vogelspinne | versteckt
Eine Vogelspinne die sich in einem Schuh versteckt hat.

Ein wunderbarer Start in den Tag

„Mein persönliches Highlight war der Moment als auch das Foto mit WILLI entstand. Früh morgens um 5 Uhr starteten wir in den Regenwald. Nach einer kurzen Strecke kamen wir zu einer Hängebrücke, die 42 Meter in die Höhe führte, zu einer Vogelbeobachtungsstation. Mit einem Stahlseil gesichert begann der Aufstieg. Und dieser hat sich wahrlich gelohnt, da wir mit einem herrlichen Blick über die Baumkronen belohnt wurden – ein wunderbarer Start in den Tag.“

Sibylle Lenz kommt ins Schwärmen, wenn sie von ihrer Zeit im Regenwald erzählt. Diese kleine Auszeit vom Job, wirkt für immer und sie würde es jederzeit wieder tun und rät jedem der Träume hat, diese auch zu verwirklichen.

Danke für ein einzigartiges Bild mit WILLI mitten aus dem Regenwald.

Text: Iris Weindel
Bilder: Sybille Letz