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Selbst ist die Frau: Tatjana Grath hat ihre Dauphine aus dem Jahr 1959 eigenhändig restaurieren, zum Laufen gebracht und kann unterwegs Pannen beheben
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HELMSHEIM :: Jetzt sitzt Frau Grath im Rat – Stadträtin Tatjana Grath

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Der neu gewählte Gemeinderat Bruchsals hat sich um drei Sitze verkleinert, die Anzahl der weiblichen Mitglieder hat sich auf 12 verdoppelt. Daraus irgendwelche Schlüsse zu ziehen wäre reine Spekulation, aber es wird in den nächsten fünf Jahren interessant  zu beobachten, ob diese Konstellation irgendeine Veränderung bringt. Tatjana Grath aus Helmsheim möchte auf jeden Fall dazu beitragen.

„Ich habe mich so sehr darüber gefreut in den Gemeinderat gewählt worden zu sein, denn es ist für mich persönlich quasi das Zeugnis, dass ich meine Aufgabe als Ortsvorsteherin von Helmsheim in den letzten Jahren gut gemachtTatjana Grath habe“, sagt Tatjana Grath und strahlt. Als ihr Name 2009, nach einigem Kandidaten Hick-Hack, schließlich auf dem Wahlzettel zum Ortsvorsteher von Helmsheim stand, gab es viele Skeptiker. „Was will denn des Mädle als Ortsvorsteherin?“, wurde getuschelt. Naja, die damals 45-Jährige Mutter von drei Kindern als „Mädle“ zu bezeichnen war schon etwas übertrieben, kann man aber nachvollziehen, wenn man weiß, dass Tatjana Grath, geborene Seitner, als Tochter eines bekannten Helmsheimer Restaurators vielen Mitbürgern schon von klein auf bekannt war.

Früher fühlte sie sich selbst jedoch eher in Richtung Bretten gezogen. Sie ging in Bretten zur Schule und hatte dadurch dort auch ihren Freundeskreis. Die Orientierung Richtung Bruchsal kam erst später. Genauso spät kam auch ihr politisches Interesse. Sie fühle sich mehr zu den Menschen hingezogen, nicht zu den Ideologien, sagt sie. Bürgerschaftliches Engagement sei ihr wichtig. Als ihre Kinder noch klein waren, gründete sie einen lebendigen Adventskalender in Helmsheim. 10 Jahre lang hielt sie diesen Brauch aufrecht, hatte aber im Amt der Ortsvorsteherin  dann dafür zu wenig Zeit und der Kalender geriet leider in Vergessenheit. „Es ist schade zu sehen, dass das Engagement für die Gemeinschaft rückläufig ist“, sagt sie. „Wenn keiner mehr was macht, dann verliert sich alles.“ Sie hat schon sehr viel gemacht und immer noch tausend weitere Ideen. Die Helmsheimer Freien Wähler, für die sie in den Gemeinderat eingezogen ist, sind als Gruppe sehr aktiv, daraus resultiert vermutlich auch ihr eigener, großer Wahlerfolg. Ob bei der Böschungspflege, der Putzete des Bruchsees, dem Bau eines Bouleplatzes oder der Errichtung eines „Fahrgastunterstandes“ (so die amtliche Bezeichnung für ein Buswartehäuschen, wie sie kopfschüttelnd erklärt), die FWV Helmsheim haben immer etwas auf dem Programm.

„Mein ganz großer persönlicher Wunsch ist der Radweg von und nach Obergrombach“, sagt sie. Es gäbe sehr gute nachbarschaftliche Verbindungen zu dem anderen Bruchsaler Ortsteilen, aber der Bau eines eigenen Verbindungswegs für Radfahrer und Fußgänger war bisher einfach nicht möglich. „Ich möchte nicht heraufbeschwören, dass erst etwas Schlimmes passieren muss, deshalb suche ich hartnäckig nach einer

Die Kinder Etienne, Jerome und Anastasia sowie ihr Mann Dieter haben viel Verständnis für die Engagements der Helmsheimerin
Die Kinder Etienne, Jerome und Anastasia sowie ihr Mann Dieter haben viel Verständnis für die Engagements der Helmsheimerin

Lösung, wobei ich auch mit einer „abgespeckten“ Version zufrieden wäre, haupt­sache ein Weg.“

Besser einfache Lösungen finden, eventuell auch mal Kompromisse eingehen, als garnichts bewegen, das ist ihre Philosophie. Während der fünf Jahre, in denen sie als „beobachtender Ortsvorsteher“ im Gemeinderat saß (sie hatte kein Stimmrecht), dachte sie oft: das würde ich anders machen. Jetzt kommen ihr aber langsam Zweifel. Vielleicht ist es im Gemeinderat wie bei „Wer wird Millionär“. Auf der Couch hat man gut raten, da kann man locker nachdenken. Wenn man aber vor der Kamera auf dem Stuhl sitzt – sprich im Gemeinderat Entscheidungen treffen muss – können schon Zweifel kommen und man weiß vielleicht die einfachsten Sachen nicht mehr.
„Ich hoffe im Gemeinderat einen klaren Kopf zu bewahren, immer authentisch zu bleiben und so zu entscheiden, dass ich jeden Morgen in den Spiegel schauen kann“, sind die Ansprüche, die Frau Tatjana „Rat“ Grath in den nächsten fünf Jahren an sich selbst stellt.

Text: Andrea Bacher-Schäfer, Bilder:  Andrea Bacher-Schäfer, Fam. Grath

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