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Bruchsal | It’s only Rock’n Roll, but I like it!

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Die Verträge sind gemacht, der Deal ist gelaufen. Mit Wehmut müssen die Ü50er der Region nun akzeptieren, dass eine Ära zu Ende ist. Gott sei Dank bleibt der Spirit der „Rockfabrik“ in Bruchsal aber erhalten, denn Jürgen „Pat“ Debatin hat Nachfolger gefunden, die sein Lebenswerk weiterführen.

Auch wenn es vor 37 Jahren keiner geglaubt hätte, der Musicclub Fabrik ist heute ein Stück Kulturgut Bruchsals und hat verdient auch so behandelt zu werden.

Aus RegioMagazin WILLI 02/18

„Wenn ich noch ein paar Jahre jünger wäre, hätte ich den Kampf für mehr kulturelle Anerkennung aufgenommen“, sagt Jürgen Debatin, seit 2. Januar 2018 „Clubbetreiber im Ruhestand“.

Er sagt das nicht, weil er der ewigen Jugend nachtrauert, sondern weil sein Herz immer noch für seine Leidenschaft heftig schlägt.

„Schon mit 16 Jahren, als ich das erste Mal das legendäre „Seestudio“ in Walldorf betreten habe, wollte ich so etwas selbst machen. Coole Location, coole Musik und lockere Atmosphäre, das war mein Traum. Heute wünsche ich mir, dass Musik als Mittel zur Kommunikation, als Treffpunkt für Menschen, denselben Stellenwert und somit auch öffentliche finanzielle Unterstützung bekommen würde, wie Theater und andere kulturellen Einrichtungen, es wäre toll, wenn meine Nachfolger ein bisschen mehr Unterstützung bekommen würden.“

Rockfabrik früherObwohl er ganz seriös ein Maschinenbau-Studium begann, fing er im Jahr 1980 zusammen mit Dieter Zipperle und Peter Wachter an, seinen Traum in der ehemaligen Tuchfabrik seines Vaters zu realisieren.

Die leer stehenden Fabrikräume waren ideal und boten ein archaisches Ambiente, das zu dieser Zeit fast revolutionär war. Die Rockfabrik startete Ende Januar 1981 von null auf hundert und wurde zum Vorbild für unzählige andere Diskothekenkonzepte in der weiteren Region.

„Wir haben den Ausbau in Eigenregie gemacht, Geld hatten wir nur wenig, Ideen dafür umso mehr. Wenn es schief gegangen wäre, dann hätte ich mit einem Job als Ingenieur halt die Schulden zurückbezahlt und gut“, zuckt er heute noch mit den Schultern über die Blauäugigkeit, mit der die Jungs damals an die Arbeit gegangen sind.

Seinen Plan B musste er nie ausführen, das Studium hat er trotzdem erfolgreich beendet und darf sich seit über 35 Jahren Diplomingenieur nennen, obwohl er nie auch nur einen Tag als Ingenieur beschäftigt war. Allerdings muss man ihm zugestehen, dass es schließlich auch kein Pappenstiel ist, über 38 Jahre hinweg erfolgreicher Unternehmer zu sein.

Warum eigentlich der Name Pat?

Warum eigentlich der Name Pat?

Ohne zu viele Details zu verraten lüften wir hier noch das Geheimnis um den Spitznamen Pat, auf den Jürgen Debatin schon seit seiner frühesten Jugend hört. Es begab sich, dass in der legendären Ruine in Untergrombach gefeiert wurde. Jürgen trug einen Hut und versteckte darunter Zigaretten. Als früh morgens keiner mehr etwas zu rauchen hatte, lüftete Jürgen seinen Hut und zog den Vorrat hervor. Irgendjemand nannte ihn nun „Pat Melone“, weil sein Hut einer Melone ähnelte. Der Nachname Melone verlor sich schnell, Pat als Rufname blieb bis heute!

Rockfabrik heuteHöhen und Tiefen hat es gegeben, es war nicht immer nur alles spaßig. Ein einschneidendes Ereignis war 1991 die Kürzung der Sperrstunde für die alte Rockfabrik in der Schnabel-Henning-Straße.

Die Nachbarschaft war über das nächtliche Treiben bis 4 Uhr „not amused“ und erwirkte eine frühere Schließung um 1 Uhr. Zufall, dass fast zeitgleich eine Diskothek im Industriegebiet Stegwiesen geschlossen wurde.

Das Fabrik Team nutzte te die Gelegenheit und baute wieder in Eigenleistung den Glitzer-Glamour-Tempel à la Saturday-Night-Fever zu einem Remake der Rockfabrik um, die nun nur noch Musicclub Fabrik heißen sollte.

Auch an der neuen Adresse wurde das Konzept des Clubs immer wieder angepasst, die beiden ursprünglichen Partner Zipperle und Wachter stiegen in der Folge aus persönlichen Gründen aus. Heavy Metal, New Wave, Schlagerpartys, ja sogar Comedy Abende zogen Gäste aus der weiteren Region an. Bei all den Musikstilen querbeet, hat sich Pat trotzdem immer den Luxus von Livebands gegönnt.

Von der U2 Coverband „Achtung Baby“ bis zu den local Heroes Zardiz, von Birthcontrol und UFO über Wishbone Ash bis zu Chris Thompson, dem Scorpions Gitarristen Uli Jon Roth und Doro Pesch, die auch schon in den 80er mit ihrer Band Warlock in den alten Fabrikgemäuern abrockte, waren dutzende Rockmusiker in Bruchsal on Stage.

Die tolle Clubatmosphäre haben alle genossen. Pats persönliches Highlight ever sind die Auftritte von „Tito und Tarantula“, die er mehrfach begrüßen durfte. Mit allem was er erlebt hat, könnte Pat ein Buch füllen über 30 Jahren Musikgeschichte.

Die Fabrikgründer
Die “Fabrikgründer”: Pat Debatin (2. v.l. hinten), Peter Wachter (3. v.l. hinten) und Dieter Zipperle (2. v.l. vorne)

Eine lange zurückliegende Story wäre der Aufhänger dafür: Ganz zu Anfang der Rockfabrik-Zeit hatte Jürgen Debatin ein Gästebuch angelegt, in dem sich viele namhafte Bands und Künstler nach den Auftritten eintrugen.

Nach einem Konzert der finnischen Band HIM im August 1999 war das Gästebuch verschwunden. Sehr ärgerlich, aber das kommt bei Rockern halt mal vor.

Im August 2016 – 17 Jahre später – meldete sich bei Jürgen Debatin ein gewisser „Erich“, der auf irgendwelchen ungewissen Wegen schon 2004 an das Gästebuch gekommen war, ihm aber keine Bedeutung zugemessen hatte.

Als Erich zufällig im Internet von einem UFO Konzert in der Fabrik Bruchsal las, fiel ihm das alte Gästebuch wieder ein und er nahm mit Pat Kontakt auf. So hat Jürgen Debatin zum Ende seiner Fabrik-Ära nun wieder das alte Gästebuch als Erinnerung an die Anfänge…

Text: Andrea Bacher-Schäfer, Fotos: Marie-Luise Süß u. Fabrik

Fakten

1980 | Umbau einer stillgelegten Weberei in der Schnabel Henningstraße in Bruchsal zum Musikclub.

1981 | Eröffnung der
Rockfabrik

1992 | Umzug und Neueröffnung in der ehemaligen „Spitze“ im Industriegebiet Stegwiesen in Bruchsal.

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