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BRUCHSAL :: Es war einmal … Der Märchenerzähler Martin Rausch

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An einem schönen Sonntag im November begleitete WILLI den Erzähler Martin Rausch bei seinem Märchenspaziergang. Jeden ersten Sonntag im Monat nimmt er die Besucher des Bruchsaler Schlossgartens mit auf eine zauberhafte Reise in die Welt der Märchen und Mythen.

November 2014

Märchen sind zeitlos, spenden Trost und Hoffnung und werden leider kaum mehr erzählt. Der Märchenerzähler Martin Rausch will genau das verhindern und den Menschen Märchen wieder nahe bringen. Der freischaffende Künstler ist nun schon zwei Jahrzehnte als Märchenerzähler unterwegs und seither ständig auf der Suche nach neuen Geschichten. Von internationalen Volksmärchen, über Fabeln und Sagen bis hin zu außergewöhnlichen Mythen ist ihm alles recht. Die Hauptsache ist, dass: „die Gschichde zu mir basse, dann kann ich se a verzähle“, erklärt er in seinem badischen Dialekt. Denn der gebürtige Brettener, wohnhaft in Flehingen, ist ein echter Kraichgauer und erzählt seine Märchen in Mundart, weil ihm so halt „d‘Gosch g‘wachse isch!“ Dialekt, so Martin, sei ein Stück Sprachkultur, das droht verloren zu gehen. Durch den Verein „Mundart in der Schule“ wird er oft von Schulen engagiert, da Märchen gerade für Kinder eine große Bedeutung haben. „Jeder reflektiert die erzählte Geschichte auf seine eigene Art. Es entstehen Bilder im Kopf, die nicht konsumiert, sondern selbst produziert werden. Das ist das fantastische an Märchen.“, erzählt er mit strahlenden Augen.

Martin ist Märchenerzähler mit Haut und Haar, so sagt er selbst, doch in seinem Leben dreht sich nicht alles nur um Märchen. Als gelernter Baumschulgärtner liegt es ihm am Herzen, das Wissen um die Pflanzenwelt zu vermitteln.

Märchen haben sein Leben verändert, doch erst, wenn er diese in Verbindung mit seinen Kenntnissen um Natur und Bäume unter die Menschen bringen kann, ergibt sich für ihn eine „runde Welt“. Immer auf der Suche nach neuen Wegen, den Märchen wieder einen Stellenwert zu verleihen, erkannte Martin sofort das brachliegende Potential, das in Bruchsals Schlossgarten schlummerte. Bäume seien seine Spezialität und davon hat es im Schlossgarten sicherlich genug.

„Verwunschener Feenteich“

„Ich suche mir immer einen „Start-Baum“ aus, zu dem ich etwas erzähle.“ Gesagt, getan. Den Märchenspaziergang startete der Baumfreund also an einer der größten Eichen im Schlossgarten, unter der laut ihm „die Zeit still zu stehen scheint“. Den Weg, den Martin bei seinem Spaziergang geht und die Plätze, an denen erzählt wird, sucht er sich immer spontan aus. So spazierte er, gefolgt von unzähligen „großen und kleinen Kindern“ direkt von der Eiche aus zu einem der trocken gelegten Brunnen im Schlossgarten, in welchen er prompt hinein sprang. Die Zuhörer versammelten sich rundum auf den Bänken oder am Beckenrand und lauschten gespannt dem authentischen Märchenerzähler. Mit einer bewusst einfachen und bildhaften Sprache zauberte er seinen Zuhörern beim Erzählen des Märchens von den „Kräuterärzten von Middfai“ ein Lächeln auf die Lippen. Danach ging es tiefer in den Schlossgarten hinein; neben einem „verwunschenen Feenteich“, oder auch bekannt als Ententeich, wurde vom Halbhähnchen erzählt, welches sein hochmütiges und herzloses Schaffen letztendlich mit einem Dasein als Wetterhahn bezahlen musste.

Märchen in Mundart

Welche Märchen Martin erzählt, plant er vorher nicht genau. „Ich sehe das Publikum, sehe das Alter und dann entscheide ich aus dem Bauch raus.“, erklärt er. Insgesamt hat Martin ein Geschichtenrepertoire von rund 100 Märchen. Wie man sich so viele Märchen merken kann, weiß er selbst nicht. Man darf nur den Fehler nicht machen, alles wortgetreu wiedergeben zu wollen! Um den Märchenspaziergang harmonisch ausklingen zu lassen, erzählte Martin abschließend die Geschichte einer wunderschönen, blauäugigen Prinzessin, die am Wegesrand vergeblich auf die Rückkehr ihres geliebten Prinzen wartete und sich schließlich in eine Blume verwandelte.
Damit war das märchenhafte Erlebnis beendet und die Zuhörer mussten sich gezwungenermaßen von den phantastischen Bildern, die in ihren Köpfen entstanden waren verabschieden, um wieder in die Realität zurückzukehren. Martin Rausch bedankte sich mit gezücktem Hut und verschwand genau so plötzlich in den Tiefen des Schlossgartens, wie er auch gekommen war.

Und wenn er nicht gestorben ist, dann wartet er noch immer an jedem ersten Sonntag im Monat in Bruchsals Schlossgarten auf uns.

Text: Laura Ries, Bilder: egghead Medien

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