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Bruchsal | Aus für die Integrationsbegleitung


Nachbericht | Muttersprachliche Begleiter vom Tageselternverein müssen zum Jahresende aufhören

„Integrationsbegleiter“  beim Tageselternverein

„Leuten zu helfen, hat für uns etwas bedeutet – ich freute mich immer, wenn ich helfen konnte“, erklärt Neslihan Eroglu. Und geholfen hat die aus der Türkei stammende Frau seit Mitte 2009 zusammen mit fünf weiteren Menschen mit Migrationshintergrund als „Integrationsbegleiter“ (IGB) beim Tageselternverein Bruchsal Landkreis Karlsruhe-Nord (TEV).

Sie begleiteten und unterstützten Menschen bei Behördengängen und vermittelten konkrete Hilfen und Beratungsstellen. Durch die Vermittlung zu Sprachschulen, Fort- und Ausbildungen sowie in Vereine und Gruppierungen verbesserten sie die Lebensqualität.

Den Erfolg der IGB, die sehr intensiv mit ihren Klienten arbeiteten und der Schweigepflicht unterlagen, ermöglichte einen kulturellen Brückenschlag.

Im Jahr 2017 wurden zirka 400 Personen begleitet. Hinzu kamen weitere 100 Bagatellfälle, also telefonische Anfragen und einmalige Hilfestellungen. Zur Überwindung von Sprachbarrieren bei Ämtern, Institutionen, Schulen und Kindergärten kamen vor allem die muttersprachlichen Kenntnisse der IGB zum Einsatz.

Seit Januar 2017 verstärkte Özden Karadag als beeidigte Übersetzerin das IGB-Team. Dadurch erhöhten sich die Einsätze bei Gericht und Polizei.

Erfolgreichstes Projekt eingestellt

Letzte Woche trafen sich die IGB ein letztes Mal mit Irene Zibold vom Vorstand des TEV und Projektleiterin Lydia Füssel im Haus der Begegnung, denn das erfolgreiche Projekt wird mangels Finanzierung zum Jahresende eingestellt. Bei dem Treffen ließen die IGB fast ein Jahrzehnt der Integrationshilfe in Bruchsal Revue passieren.

Der Arabisch sprechenden Rabiaa Speck-Igran aus Marokko ging es dabei um viel mehr als nur Formulare ausfüllen und Hilfe zur Selbsthilfe zu ermöglichen. Familiäre Problemlösungen oder wegweisende Hinweise durch den deutschen Behördendschungel gehörten zu den vielseitigen Anforderungen an die IGB, die professionelle Begleitung und Supervision durch den TEV erhielten.

Nina Stremel brachte ihre russische Muttersprache ein: „Als Stadtteilmutter unterstützte ich erst meine Landsleute, später alle, die Hilfe brauchten.“ Die IGB waren in Bruchsal als Vertrauenspersonen bekannt, hatten Sprechstunden und unterstützten die Betroffenen kostenlos.

“Deutschland braucht Integration”

Seit 2016 dolmetschte und begleitete auch Najdat Haji Arab aus dem Irak auf Arabisch, Kurdisch und Englisch Hilfesuchende. „Deutschland braucht Integration – die hier lebenden Ausländer können nur über Sprache, Bildung und Teilhabe gut in die deutsche Gesellschaft integriert werden“, so der einzige Mann im Team.

Aselefech Demissie, die früher mit ihrem Mann ein Internetcafé betrieb, in dem viele Menschen den Kontakt zu ihren Heimatländern aufrechterhielten, deutete auf die zahlreichen Fortschritte in der Integration hin.

„Vor 20 Jahren gab es nur Sprachkurse über die Volkshochschulen, die sich nicht jeder leisten konnte. Inzwischen hat man erkannt, dass Sprache der Schlüssel zur Integration ist.“

Sie selbst brachte Englisch und Amharisch als Sprachkompetenz mit.

Irene Zibold sieht das abrupte Projektende als kritisch.

„Es ist schwer für uns zu verstehen, dass diese erfolgreiche und wichtige Arbeit aufhören muss.“

Immerhin haben 31 Prozent der zirka 44.000 Bruchsaler Einwohner einen Migrationshintergrund. Mangels Mittel aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF), mit denen das Projekt nach dem Ende der „Sozialen Stadt“ ab 2013 weiterfinanziert wurde, hat die Stadt Bruchsal die Kofinanzierung eingestellt.

„Wir hatten auch eine Zusage vom Landkreis, die Kofinanzierung zu bekommen, wenn die Stadt das Projekt nicht weiterführen will oder kann“, erklärt Irene Zibold.

Doch auch hierfür waren die ESF-Mittel Voraussetzung. Insgesamt beziffert sie die Kosten für das hilfreiche Projekt auf zirka 100.000 Euro pro Jahr.

Lydia Füssel, die zusammen mit Irene Zibold die Infrastruktur für die IGB bot, sah in ihnen eine Entlastung der Fachkräfte in den Behörden. „Über die neutrale Servicestelle konnten alle Institutionen und Behörden auf die IGBs zu greifen.

Vom Jobcenter bis zum Stromlieferant, alle haben schon bei uns angerufen und um sprachliche und kultursensible Unterstützung gebeten.“ Dankbar waren beide, dass die Stadt Bruchsal über neun Jahre den Rahmen für das Projekt bot.

Die sechs IGB bedankten sich ihrerseits bei Irene Zibold und Lydia Füssel für wertschätzende Zusammenarbeit und die gute Organisation des Projektes. Nun schauen sie aber in eine ungewisse Zukunft.

Mit dem Projekt endet auch ihre Beschäftigung beim TEV. Wie sie sich zukünftig verhalten werden, wenn Menschen bei ihnen um Hilfe bitten, wissen sie noch nicht.

„Alles, was wir ab Januar tun, ist ehrenamtlich. Aber davon können wir nicht leben“, so Neslihan Eroglu.

„Die Leute brauchen unsere Hilfe, auch in Zukunft“, betonten Nina Stremel und Najdat Haji Arab.

Rabiaa Speck-Igran bringt es auf den Punkt: „Es ist schade, dass das Projekt beendet wird. Schade für mich, schade für uns, schade für die Leute, die uns bräuchten.“

 


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