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Peterskirche Altar | Bruchsal

Bruchsal | 275 Jahre St. Peter

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Für Bruchsal ist sie eine ganz besondere Kirche – die Barockkirche St. Peter. Das Gotteshaus steht auch heute noch in seiner vollen Pracht etwas außerhalb des heutigen Stadtkerns. Vor 275 Jahren, am 26. März 1742, legte Kardinal Damian Hugo von Schönborn den Grundstein der heutigen Peterskirche.

Peterskirche | BruchsalAus dem RegioMagazin WILLI 2/17

Erste Urkunden über die Erbauung lassen sich in das 14. Jahrhundert zurück führen. Stoisch überstand das Gebäude alle Kriegsgewirre, bis sie 1689 dem Pfälzischen Erbfolgekrieg und seiner Zerstörung zum Opfer fiel. Übrig geblieben ist ein 15m hoher Chorraum, der im Neubau der Kirche eine große Rolle spielen sollte. Fürstbischof Kardinal Damian Hugo von Schönborn befasste sich schnell mit dem Gedanken, die Pfarrkirche als eine Gruft für seine sterblichen Überreste zu nutzen. Als er seine Residenz nach Bruchsal verlegte, beauftragte er Balthasar Neumann mit der Neugestaltung der zusammen gefallenen Gemäuer. Dem Fürstbischof war es wichtig, dass der Grundriss der neuen Kirche dem Modell der Peterskirche in Rom entspricht und das übrig gebliebenen Mauerwerk des Chorraums der Vorgängerkirche in den Neubau mit einbezogen wird.

Balthasar Neumann war für die Neugestaltung der Kirche zuständig

Ein modifiziertes, gleicharmiges, griechisches Kreuz bildet die Grundform der Kirche. Der Auftrag, den alten Ostchor in den Neubau zu integrieren, stellte Balthasar Neumann vor eine große Herausforderung. Er versetzte den Altarraum nach Süden, in dem er das Hauptschiff der Kirche um 90 Grad drehte. Die Sakristeien mit Oratorien legte Neumann in die südlichen Winkel der Durchschneidung des Längs- und Querschiffes. In den nördlichen Winkeln befinden sich auch heute noch die Zwei dreigeschossigen Türme. Eine Ädikula mit der Statue des Apostels Petrus ist im Giebel der ausladenden Fassade zu sehen. Die Kuppel des Gemäuers bezeichnet man als ein Scheingewölbe, welches mit einer Holzverschalung von einem Hängewerk getragen wird. Die wenig sichtbaren Lichtöffnungen lassen die Kuppel bei Lichteinfall imaginär schwebend wirken. Der glattgehauene Bruchkalkstein hinterlässt bei der Grabeskirche einen angemessenen Eindruck.

1737 erkranke Fürstbischof Damian Hugo von Schönborn schwer

Da Damian Hugo von Schönborn die Erschaffung seiner letzten Ruhestätte sehr am Herzen lag, war im Jahr 1737 nach seine Erkrankung klar, dass die Kirche auch ohne ihn noch zu Ende gebaut werden soll. Zur Fertigstellung der neuen Peterskirche setzte er 50.000 Gulden auf, damit sein Leichnam einen würdigen Ort der Ruhe finden wird. Am Ostermontag 1742 wurde der erste Grundstein gesetzt und bereits ein Jahr später, im Jahr 1743, erlag der Fürstbischof seiner Erkrankung. Da der Bau bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht fertig gestellt wurde, setzte man Damian Hugo von Schönborn in der ehemaligen Kapuzinerkapelle bei, bis er nach der Fertigstellung der Barockkirche 1755 überführt wurde. Auch seine Nachfolger Franz Christoph von Hutten und Wildrich Graf von Walderdorf fanden in der Gruft, die sich vier Meter unter der Kuppel befindet, in der mittleren und rechten Sargnische ihre letzte Ruhestätte. Alle drei Särge befinden sich in einem mit Kreuzgewölben überdeckten Vorraum, der nach der letzten Beisetzung verschlossen wurde. Der verstorbene Fürstbischof Damian August Graf von Limburg-Stirum verstarb in Passau und wurde dort in einer Kirche beigesetzt. Als sein Grab Stürmen der französischen Revolution zum Opfer fiel, wurde 1797 ausschließlich sein Herz nach Bruchsal gebracht, das in einem silbernen Gefäß in der Peterskirche seinen Frieden fand. Die Grabstätte geriet in den Folgejahren immer mehr in Vergessenheit und wurde erst 1907 anhand eines aufgefundenen Plans wieder entdeckt.

Glockengeläute ertönt im Originalzustand

peterskirche | DeckeBereits 1749 zur Einweihung der neu erbauten Kirche ertönte das fünffache Geläut der Peterskirche, das man auch heute noch im Originalzustand vernehmen kann. Mit der Schlaglinie cis´-e´-gis´-h´-d´´wirkt es melancholisch und ist eines der wenigen erhaltenen Geläute der Barockzeit. Neben ihrem besonderen Glockengeläute besitzt die Bruchsaler Peterskirche noch viele weitere antike Schmuckstücke. Da bei der feierlichen Einweihung der Innenraum nur zur Hälfte fertig gestellt war und die für die Deckengemälde vorgesehenen Flächen zunächst weiß blieben, erfolgten 1907-09 große Renovierungsarbeiten. Josef Mariano Kitschker erhielt den Auftrag die Deckengemälde im Barockstil zu ergänzen. Kitschker´s Werk war jedoch nicht der Entstehungsgeschichte des barocken Kirchenraums zuzurechnen und wurde bei der Renovation 1960-62 wieder weiß übertüncht. Diese wurde veranlasst, um der Kirche wieder ein strahlendes Aussehen zu verleihen und das ursprüngliche barocke Lebensgefühl wieder aufblühen zu lassen.

Überstand den Bombenangriff 1945 unbeschadet

Peterskirche Bruchsal | OrgelDas Gotteshaus, das den Bombenangriff im März 1945 unbeschadet überstanden hatte, wurde von und für die Bruchsaler Bürgerschaft erbaut, denn auch die Bewohner der Stadt hatten ihren Beitrag zur Ausstattung der Kirche geleistet. Die Glocken, die Kommunionbank, die Orgel, sowie die Kirchenuhr erlagen ihrer Baupflicht.
Letzte Renovierungsarbeiten fanden 1996 statt, bei der unter der Kuppel eine Altarinsel errichtet wurde. Ohne in die barocke Substanz einzugreifen stellt sie symbolisch ein Zeichen unserer heutigen Zeit dar. Nicht nur ihre prunkvolle Innenausstattung, die historische Deckenmalereien, sowie beeindruckende Renovierungsarbeiten lassen einen Besuch der Barockkirche bis heute einzigartig erscheinen.
Der Förderverein zur Erhaltung der Barockkirche St. Peter in Bruchsal e.V hat sich zur Aufgabe gemacht das barocke Bauwerk für unsere Nachkommen zu erhalten. In Zusammenarbeit mit der Seelsorge-Einheit St. Vinzenz, die als Eigentümer der Barockkirche gilt, wird aktuell mit Veranstaltungen zum 275-jährigen Jubiläum an das historische Gotteshaus erinnert.

Text: Kristin Huber
Bilder: Egghead Archiv
Quellen: Dieter Böser, Dr. Jörg Sieger

 

Barockkirche St.Peter – Die Orgel
Eine Orgelampore war zunächst nicht vorgesehen, wurde aber dennoch eingebaut, damit Johann Philipp Seuffert sein Instrument mit 20 klingenden Registern einbauen konnte. Nach 125 klangvollen Jahren beschloss 2001 die Stadt Bruchsal sich von der alten Orgel zu trennen und ein 2-manualiges Werk in Tschechien bauen zu lassen. 2004 erhielt die neue Orgel ihre kirchliche Weihe und ist seither nicht mehr wegzudenken.

 

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