Text und Foto: Linda Obhof M.A., Stadtmuseum Bretten

BRETTEN | Textilgeschichte(n): von Brettens Schafen

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22.09.2021 | Noch bis in das 19. Jahrhundert betrieb die Stadt Bretten eine ausgedehnte Schafhaltung.

Zu kurpfälzischer Zeit war die Oberamtsstadt verpflichtet, stets 750 Schafe bereitzuhalten und dem zuständigen Schäfer eine Unterkunft zu stellen. Dieser Verpflichtung kam die Stadt auch nach dem großen Stadtbrand von 1689 nach, in dem die Stallungen wieder auf ihren Fundamenten errichtet wurden. Als Lohn erhielten die Schäfer vorrangig Korn von den Bürgern der Stadt.

Eine Aufgabe des Schäfers war es, „ein eigen Buch über die Schaf“ zu führen. Überdies war er dazu verpflichtet, jährlich vier Pfingstlämmer an die Stadt zu übergeben. Die Anzahl der Schafe war stark limitiert, um die Felder zwar düngen zu können, die genutzten Weiden und Brachen aber nicht zu stark zu beanspruchen. Diese von einem städtischen Schäfer gehütete Herde setzte sich aus Schafen der Herrschaft, der Bürger sowie eigenen Tieren des Schäfers zusammen. Die in der Region übliche Dreifelderwirtschaft sah vor, dass stets eine Brache vorhanden war, die als Weide genutzt wurde. Änderungen in diesem System sorgten ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts vermehrt für Unmut von Seiten der Schäferzunft. Aufgrund der großen Anzahl vorhandener Schafe in Bretten sowie in den umliegenden Orten richtete die badische Verwaltung im Jahr 1823 einen neuen Schaf- und Wollmarkt ein. Die Schäferordnung von 1634 sowie die alte Tradition, den überregionalen Schäfertag am Laurentiustag (10. August) zu begehen, zeugen von Wurzeln, die wahrscheinlich bis in das Spätmittelalter reichen. Aus dieser Tradition entstammt der bis heute praktizierte Schäferlauf, der jährlich beim Peter-und-Paul-Fest stattfindet.

Aufgrund der positiven Resonanz wird die Sonderausstellung Textilgeschichte(n) im Schweizer Hof bis zum 6. Januar 2022 verlängert. Die Ausstellung soll den Besucherinnen und Besuchern die Geschichte der Textilien, aber auch die damit in Verbindung stehende Verantwortung in unserer Zeit aufzeigen, die durch die sogenannte Fast Fashion vor große ökologische Herausforderungen gestellt wird.

Im November findet im Begleitprogramm des Stadtmuseums Bretten ein Workshop passend zur aktuellen Sonderausstellung statt: Museumsleiterin Linda Obhof weist die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in die Technik und Geschichte des Handspinnen und in die Nutzung eines Spinnrockens ein. Bei der Nutzung einer Handspindel handelt es sich um die älteste Form des Spinnens von Garnen unter Zuhilfenahme eines Werkzeuges. Diese setzte sich aus einem ursprünglich hölzernen Schaft in Stabform und einem aufgesteckten Spinnwirtel zusammen. Durch die manuell ausgelöste Rotationsbewegung dreht sich der Stab samt dem Wirtel als Gewicht weiter und verzwirnt dadurch die Fasern. Je nach Faser und angestrebter Stärke des zu verzwirnenden Garns kann der Wirtel aus unterschiedlichen Materialien und in unterschiedlicher Größe gefertigt sein. Die frühesten Wirtel waren aus Ton, später auch aus Knochen, Stein, Glas und Holz. In Europa ist die Nutzung von Handspindeln spätestens seit dem 6. vorchristlichen Jahrtausend durch archäologische Funde belegt (Achilleion / Griechenland). Zur Weiterverarbeitung werden häufig zwei gesponnene Garnstränge gegenläufig miteinander verzwirnt.

Die Handspindel verlor mit dem Aufkommen des Spinnrades ab dem ausgehenden Spätmittelalter an Bedeutung, doch ihre Verwendung geriet nie gänzlich in Vergessenheit und wird seit den 1970er Jahren wiederentdeckt! Heute gibt es wieder Spinnstuben und Netzwerke über die sozialen Medien, in denen sich
Spinn-Begeisterte aus der ganzen Welt austauschen. Der Kurs findet an einem noch nicht festgelegten Termin im Gerberhaus statt. Interessierte können sich per Email an schweizerhof@bretten.de anmelden und gemeinsam mit der Kursleiterin nach einem geeigneten Termin suchen.

Öffnungszeiten der Sonderausstellung Textilgeschichte(n):
Mittwoch 15-19 Uhr; Samstag, Sonntag und Feiertage 11-17 Uhr.
Der Eintritt ist frei.

 

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