Rund 40 Interessierte folgten dem Vortrag von Landschaftsarchitekt und Gärtnermeister Frieder Weigand im Hallensportzentrum Im Grüner, der gemeinsam von Stadtverwaltung, Volkshochschule und dem NABU Bretten ausgerichtet wurde. Foto: Stadt Bretten

BRETTEN | Naturnahe Gärten statt Schottergärten und dabei die Willkür im Garten zügeln

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07.10.2021 | „Anlass für diesen Vortrag ist ein Verbot von Schottergärten, das die Landesregierung im vergangenen Jahr im Landesnaturschutzgesetz verankert hat“, erklärte Cornelia Hausner, stellvertretende Amtsleiterin des Amtes Stadtentwicklung und Baurecht bei der Stadt Bretten bei der Begrüßung der 40 Zuhörerinnen und Zuhörer im Hallensportzentrum in der vergangenen Woche, die zum Vortrag von Landschaftsarchitekt und Gärtnermeister Frieder Weigand erschienen waren.

„Anlass für diesen Vortrag ist ein Verbot von Schottergärten, das die Landesregierung im vergangenen Jahr im Landesnaturschutzgesetz verankert hat“, erklärte Cornelia Hausner, stellvertretende Amtsleiterin des Amtes Stadtentwicklung und Baurecht bei der Stadt Bretten bei der Begrüßung der 40 Zuhörerinnen und Zuhörer im Hallensportzentrum in der vergangenen Woche, die zum Vortrag von Landschaftsarchitekt und Gärtnermeister Frieder Weigand erschienen waren. Einmal im Jahr bietet die Stadt Bretten gemeinsam mit der VHS und dem NABU Bretten einen Vortrag zur naturnahen Gartengestaltung an. Dadurch sollen insbesondere Alternativen zu Schottergärten aufgezeigt werden, die bekanntermaßen Insekten wenig Nahrung und Lebensraum bieten und die Hitzeentwicklung in den Städten befördern. Im Anschluss an den Vortrag können beim NABU immer heimische Fruchtsträucher bestellt werden, die dieser in diesem Jahr am 6. November von 9 Uhr bis 11.30 Uhr im Baubetriebshof ausgibt. Die Stadt Bretten kämpfe seit Jahren gemeinsam mit dem NABU Bretten in Form von Vorträgen und Einzelberatungen gegen den Trend des Schottergartens. Außerdem habe der Gemeinderat in den neuen Bebauungsplänen für Wohngebiete bereits ab 2014 Regeln zu deren Unterbindung festgelegt, führte Hausner weiter aus. Dennoch setze die Stadt darauf, die Hausbesitzer von den Vorteilen eines naturnahen Gartens zu überzeugen“, erklärte Bürgermeister Michael Nöltner in seinen einleitenden Worten.

Überzeugungsarbeit leistete der in Eberdingen lebende Frieder Weigand in seinem Vortrag mit Impressionen von Vorgärten zu denen er erklärte, warum er diese und jene Pflanze an diese Stelle gesetzt hatte. „Die Natur zum Freund machen, nicht bekämpfen“, so seine These, die sich wie ein roter Faden durch seine Präsentation zog. Schließlich wolle man ja einen pflegeleichten Garten, der ohne Düngung, Bewässerung und ständiges Schneiden auskomme – ohne unordentlich zu wirken.

„Rasen zum Beispiel bedeutet Kampf gegen die Natur und er ist nicht pflegeleicht, wenn man sich bewusst macht, wie oft er gemäht werden muss – aber jeder weiß, wie es geht“, so das Fazit von Weigand. „Wenn Sie schlau sind, machen Sie eine Wiese!“, empfahl er und veranschaulichte seine Aussage mit einem Gemälde, in dem sich Albrecht Dürer detailverliebt mit einzelnen Pflanzen einer Wiese auseinandergesetzt hatte oder etwa mit einem Zitat von Friedrich Schiller, der bereits vor 300 Jahren zu folgendem Schluss kam: „Der gebildete Mensch macht die Natur zu seinem Freund und ehrt die Freiheit, indem er bloß ihre Willkür zügelt.“ Die „Unordnung“ zulassen und zugleich ordentlich aussehen lassen – im Schwäbischen tue man sich damit nicht leicht, so der Referent mit einem Augenzwinkern. Jedoch sei ein naturnaher Garten ein sich selbst stabilisierendes System, den man nicht winterfest machen müsse, weil er dies mit seinem Laub selbst erledige. Bei vielen Gartenbesitzern hieße winterfest machen jedoch: Alles runterschneiden und wegputzen und mit Rindenmulch auffüllen. Damit nehme man den Insekten, die den Winter in Pflanzenstengeln und Fruchtkapseln überlebten, ihren Lebensraum. Deshalb sein Tipp: Wenn abschneiden, dann die Stengel senkrecht an einem Zaun anbinden. Damit sei die Lebensraumfunktion gewährleistet.

Um Artenvielfalt zu gewährleisten gebe es folgende Grundsätze: Heimische Pflanzen in großer Vielfalt verwenden, kein Einsatz von Pestiziden oder Herbiziden und ein gewisses Maß an Unordnung zulassen und sei es nur ein kleines Stückchen des Gartens in Ruhe zu lassen, so das Credo des Landschaftsarchitekten, der auch an der Bundesgartenschaugestaltung 2019 in Heilbronn beteiligt war. Er erläuterte, welche Pflanzen sich ergänzen, diese sollte man nebeneinandersetzen. „Die beschäftigen sich miteinander und lassen den Rest in Ruhe“, so sein Tipp. So wachse der Natternkopf schneller als der Löwenzahn, weshalb er hervorragend für die Füllung von Lücken im Beet geeignet sei und unerwünschtes Unkraut teils unterbinden könne.

Ein weiterer Rat, der früher vielen Gartenbesitzern bekannt gewesen sei, sei die Tatsache, dass man eine Wiese nur zweimal im Jahr mähen müsse. Dabei sei der erste Schnitt, der etwa Anfang Juni stattfinden sollte, entscheidend, damit die Wiese wieder gesund wachse. „Der richtige Zeitpunkt ist, wenn die Margeritenblüte halb durch ist“, so der Experte. Der zweite Schnitt sei Anfang Oktober. Dabei gelte es, das Schnittgut zu entfernen, um eine Überdüngung der „Magerwiese“ zu vermeiden. Auch Sand und Kiessand darf teilweise in den Garten, da er einen guten Untergrund für vielfältige Staudenpflanzen biete: Schotter sei nicht gleich Schotter. Vielmehr gehe es darum, ein Mineralgemisch mit verschiedenen Größen, von Sand bis rund zwölf Millimetern Durchmesser, zu verwenden. Auch die Kräuterspirale, ein mit Steinen angelegter Kräutergarten, sei ein hervorragender Lebensraum, auch für Eidechsen. Und nicht zu vergessen: Wasser in Schalen oder ein Teich im Garten sei wichtig, damit Insekten im Sommer überlebten. Am Ende des Vortrags konnten die Anwesenden Fragen stellen und sich von Gerhard Fritz, 2. Vorsitzender des NABU Bretten, bei der Bestellung von heimischen Fruchtsträuchern beraten lassen.

 

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