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Trainsurfing
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Brennpunkte | Schneller Tod durch Übermut und Dummheit

Auch in der Region Bruchsal gibt es Berichte über S-Bahn- und „Trainsurfen“. Jugendliche unterschätzen die Gefahren des Zugverkehrs.

Aus dem RegioMagazin WILLI 12/2017

bermut, Dummheit und Bequemlichkeit können auch rund um Bruchsal zum schnellen Tod rund um Bahnanlagen führen. Vor allem Schüler und junge Erwachsene kann man immer wieder dabei beobachten, wie sie an verschiedenen Stadtbahn- und S-Bahn-Haltestellen oder auch im Bahnhofsbereich über die Schienen laufen – aus vermeintlicher Coolness, wegen einer Mutprobe oder um wenige Sekunden zu sparen.

Oft wird von den Gleis-Kletter-ern nicht berücksichtigt, dass es in und rund um Bruchsal einen Eisenbahn-Mischverkehr gibt. Nach einer Stadtbahn kann auch ein TGV oder ICE/IC durch die Haltepunkte rasen, wenige Minuten später kommt dann ein Güterzug. Im Todesfall ist für die Rettungskräfte, die Familienangehörigen und Freunde der Anblick von jungen Todesopfern traumatisch. Lokführer stehen unter Schock. Nicht alle Todesopfer werden zudem sofort gefunden.

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In den Polizeiberichten ist immer wieder von einer weiteren sehr dämlichen Mutprobe zu lesen, die man früher eher Städten wie München, Stuttgart, Berlin oder Hamburg zuordnete: Das S-Bahn- und Zugsurfen („Trainsurfing“).
Dabei klettern Jugendliche auf Puffer von anfahrenden Zügen, S-Bahnen oder Lokomotiven und halten sich an Scheibenwischern oder Griffen fest, die sonst nur für Bahn-Fachpersonal beim Rangieren geeignet sind.

Dabei gibt es Jugendliche wie in einem aktuellen Fall aus der Region, die ihren lebensgefährlichen Übermut, der auch den Bahnverkehr gefährdet, auch noch mit ihren Smartphones filmen, um die Filme nach der Adrenalinfahrt über WhatsApp sofort zu ver
schicken. Schüler und Jugendliche, die ein solches „Live-Video“ bekommen, sollten ihre Eltern verständigen und gemeinsam die Polizei aufsuchen. Das könnte Leben retten und ein Nachahmen der Taten verhindern. Täter müssen mit sehr hohen Geldstrafen von bis zu 50.000 Euro rechnen, wenn sie ihr Verhalten überhaupt noch lebend reflektieren können.
Leider gibt es im Internet auch Anleitungen und eigene Websites mit Videobeispielen zum Trainsurfen. Noch nicht einmal ICEs sind von diesem gefährlichen Hobby verschont. Wer auf stehende oder fahrende Züge – insbesondere Güterzüge – aufspringt, muss damit rechnen, einen unerwarteten Stromschlag zu erhalten. Dies gilt insbesondere für abgestellte Güterwaggons. Eine Klettertour ist bei einer Annäherung auf 1,5 Meter an die Oberleitung in der Regel tödlich, wenn 15.000 Volt ungehindert durch den Körper schießen.

Infolgedessen ist es auch strengstens verboten, auf Vorbauten von Bahnanlagen, Masten oder Brücken zu klettern und in der Nähe oder auf Gleisanlagen mit Ballons oder Wasserschläuchen zu spielen. Deshalb sind große Gas-Luftballons bei Volksfesten wie in Stuttgart oder München, wo viele Gäste, auch alkoholisiert die Bahn nutzen, äußerst gefährlich. Wenn diese an die Oberleitung kommen, gibt es einen Kurzschluss und es geht erst einmal nichts mehr.

Text: Christian Jung, Bild: fotolia

 

 

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