NICHTS VERPASSEN?
Julia Hagenbucher Bademeisterin

BERUF & KARRIERE :: Von wegen „faule Haut“ – Bademeisterin Julia Hagenbucher

Wir freuen uns, wenn du
diesen Artikel weiter verbreitest. Danke!

Sommer, Sonne, Sixpack. Die geläufigen Assoziationen für Bademeisterinnen oder Bademeister sind schnell gefunden. Auch die Erfolgsserie „Baywatch“ hat sicherlich dazu beigetragen, dass man Schwimmbadbediensteten einen lockeren Job nachsagt. Doch weit gefehlt: David Hasselhoff und seine „Rettungsschwimmer von Malibu“ haben mit der Realität wenig bis nichts gemein.

„Ich bin eigentlich keine Bademeisterin“, klärt Julia Hagenbucher mit einem Grinsen auf, „die korrekte Berufsbezeichnung ist‚ Fachangestellte für Bäderbetriebe’, aber ich sehe das nicht so eng“. Ebenso entspannt geht sie mit den Klischees um, die es landläufig über ihren Job gibt: „Unsere Arbeit ist sehr vielfältig, wir haben immer was zu tun und können nie auf der faulen Haut liegen“.

Julia, die ursprünglich aus Bayern stammt, war dort schon mit 10 Jahren in der Wasserwacht tätig und hat daher wohl schon immer eine Affinität zu diesem Element gehabt. Nach der Mittleren Reife wusste sie zunächst nicht, wie es weitergehen sollte, konnte dann aber über zwei Praktika Einblicke in ihre jetzige Tätigkeit gewinnen und hat sich letztlich für eine Ausbildung in besagtem Beruf entschieden.
Nach Abschluss der dreijährigen Lehre erfolgte aus persönlichen Gründen der Umzug in den Kraichgau. Seit Februar 2013 ist sie nun in der ‚Bäderwelt Bretten’ tätig, die über ein ansprechendes Hallen- und Freibad verfügt. „Ich mache meinen Job hier gerne“, sagt die sympathische 26-Jährige. Der berufliche Alltag der Badbediensteten sieht unter anderem das tägliche Prüfen der Wasserqualität, Animationsaufgaben und nicht zuletzt auch die Überwachung der Sicherheit und Ordnung im Bad vor – wozu man wiederum gute technische und rechtliche Kenntnisse benötigt. „Handwerkliches Geschick und zeitliche Flexibilität sind aber ebenfalls nicht von Nachteil“, ergänzt sie.

Zeitliche Flexibilität erforderlich

Auch die tägliche Reinigung des Schwimmbereichs fällt in den Aufgabenbereich der brünetten Brillenträgerin. „An heißen Tagen sind die Mülltonnen mitunter bis oben hin voll“. Wenn Julia im Sommer Frühschicht hat, ist sie um 6 Uhr vor Ort und muss im Freibad mit dem Beckensauger das Wasser von Rückständen und Schmutz befreien. Doch nicht etwa nur Haare verfangen sich darin, auch Schmuck kommt beim Reinigungsvorgang regelmäßig zum Vorschein. Ähnliches gilt für die Umkleidekabinen: „Es kommt ab und zu vor, dass die Gäste darin ihre neuen, teuren Smartphones liegen lassen“, erklärt sie schmunzelnd.

Natürlich sollte man als Badbedienstete(r) auch mit Menschen umgehen können. Beim netten Small Talk darf man selbstverständlich das Geschehen im Bad nicht aus den Augen lassen – umsichtiges und vorausschauendes Handeln ist wichtig. An heißen Sommertagen ist ein erhöhter Flüssigkeitsverlust indes normal. Daher trinkt Julia bei 30°C und einer hohen Luftfeuchtigkeit auch mehr als sonst: „Drei bis vier Liter kommen da mitunter schon zusammen.“

Richtige Notfälle sind in ihrem Job glücklicherweise die absolute Ausnahme. „Wir hatten hier letztes Jahr ein Mädchen, das von mir beatmet werden musste, aber die ganze Sache ging schließlich glimpflich aus. Wenige Tage später kam ihre Mutter mit einem Riesenstapel Schokolade vorbei und hat sich überschwänglich bedankt – die ganze Sache hat uns alle sehr berührt“.

Wenn sie erneut vor der Wahl stünde, würde sich Julia Hagenbucher immer wieder für den Job entscheiden: „Wir tragen zwar eine hohe Verantwortung, aber die Arbeit ist abwechslungsreich und man kann die Menschen unterstützen“.

Infos zur Ausbildung
Die Ausbildung zum/r “Fachangestellten für Bäderbetriebe” dauert drei Jahre. Darin werden folgende Inhalte gelehrt: Bädertechnik und -betrieb, Wasseraufbereitung, Rechts- und Verwaltungskunde, Animation, Marketing, Sporttheorie, Schwimmen und Retten in der Praxis. Darüber hinaus wird man natürlich in den normalen Fächern der Berufsschule unterrichtet. Die Lehre unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland. Es gibt aber zurzeit immer mehr Bemühung, dies bundeseinheitlich anzugleichen, damit es nicht mehr so große Unterschiede zwischen den Ausbildungsständen der einzelnen Bundesländer gibt. Dies betrifft auch die Ausbildungsvergütung – diese ist zwar tarifvertraglich festgelegt, aber auch hier gibt es innerhalb der Bundesrepublik Unterschiede. Als ausgelernter „Fachangestellter für Bäderbetriebe“ hat man die Möglichkeit, sich zum „Meister für Bäderbetriebe“ (früher: Schwimmmeister) weiterzubilden.

Text & Bild: Matthias Schleicher

_

Anzeige

weihnachtspyramide_290x290

_

_

Anzeige

Christmas_Shopping_290x290

_