Der Speyrer Bischof Gerhard von Ehrenberg hatte einen einflussreichen Gönner, den Kaiser Ludwig von Bayern, der mit dem Papst in Rom im Clinch lag. Kaiser Ludwig hat Ehrenberg die Stadtrechte für seine Dörfer Rotenberg und Udenheim (heute Philippsburg) gewährt. So konnte Ehrenberg etliche Bauvorhaben umsetzen und seinen Machtbereich ausweiten. Unter anderem erneuerte er die bischöflichen Burgen in Obergrombach und Bruchsal.
Geburtsdatum 1358
Dokumentiert wird dies durch eine Inschrift am Bruchsaler Bergfried mit der Jahreszahl 1358, die heute als »Geburtsdatum « des Turms gilt. Im Mittelalter hießen solche Türme »perfrit« oder »berchfrit«, was soviel bedeutete wie »Spähturm« oder »Schutzturm« – und weder mit »Berg« noch mit »Friede« etwas zu tun hatte. Ehrenberg starb 1363 und seine Nachfolger bauten um den Bergfried eine wehrhafte Anlage, bekannt auch als »Altes Schloss«. Im Schlosshof wurden zu Beginn des 16. Jahrhunderts zehn Gefährten des Bauernführers Joß Fritz und andere aufständische Bauern enthauptet, nachdem sie im Verließ des Bergfrieds geschmachtet hatten. Im 30jährigen Krieg wurde die Anlage beschädigt und 1676 von französischen Truppen niedergebrannt.
Bei der Zerstörung Bruchsals am Ende des zweiten Weltkrieges wurde auch das alte Schloss schwer beschädigt. Als in den 80er Jahren an seiner Stelle Bürgerpark und Bürgerzentrum errichtet wurden, blieb der Bergfried als einziges bauliches Dokument des mittelalterlichen Bruchsal erhalten.
Der Bürgerpark-Tunnel dokumentiert symbolkräftig den Schlussstrich unter die gewalttätige Geschichte des Areals. Er trägt die Jahreszahl 1987. Damals bekam er auch seine neue, rote, rund 700 Kilogramm schwere Kupferhaube aufgesetzt. 400 000 Mark kostete diese vor mehr als 30 Jahren.
Heute – 31 Jahre später – hat unser Bergfried immer noch dieselbe Kupferhaube auf dem Kopf. Wie im Mittelalter dient er uns allerdings nicht mehr als „Spähturm“, sondern vielmehr als mittelalterliche Kulisse für das alle zwei Jahre stattfindende „Spectaculum“.
Das Bergfried-Spektakulum
Auch dieses Jahr ist es wieder soweit. Bereits zum siebten Mal findet das Mittelalterfest rund um den Bergfried statt. Die Idee des Spectaculum wurde 2006 vom Fanfarenzug , den „Schwallebrunnegeister“, der Abteilung Kultur im Hauptamt der Stadt Bruchsal, sowie dem Bruchsaler Kultur- und Heimatverein beim ersten Spectaculum verwirklicht. Im Jahre 2008 wurde es dann das erste Mal wiederholt.
Damals befand sich Bruchsal nämlich gerade im Themenjahr „Mittelalter“. In diesem Jahr wurde aufgrund der historischen, steinernen Platte mit dem Porträt des Bischofs Gerhard von Ehrenberg auf halber Höher des Bergfrieds, die die Jahreszahl 1358 trägt 650 Jahre Bergfriedgefeiert.
Feuershow, Gaukler, Schaukämpfe und Tänze
Auch in diesem Jahr wird auch wieder der Bruchsaler Heimat und Kulturverein dabei sein. Bekannt ist dieser Verein vor allem durch die Mittelalterliche Abteilung „Bruchsaler Ritterschaft“ und durch die Faschingsabteilung „Bergfriedräuber“. Ersteres zeichnet sich durch das Leben und Erleben des späten Mittelalters aus. Durch deren umfangreiches Feldlager mit Ritter- und Mannschaftszelten, glaubt man wirklich in der Zeit zurück gereist zu sein.
Die Mittelalterexperten zeigen Besuchern und Interessierten auch gerne wie man – beispielsweise – eine Ritterrüstung richtig anlegt oder wie die alten Handwerksarbeiten ausgeführt wurden. Die seit 2004 bestehenden „Bergfriedräuber“ sind eine Gruppe, die Straßenumzüge über alles lieben. Egal ob Martinsumzug, Sommertagsumzug oder jegliche Fastnachtsumzüge. Die Bergfriedräuber waren mit dabei. In ihren altertümlichen Kleidern gehüllt sind sie bestimmt auch schon an Ihnen vorbei gezogen. Das Programm des diesjährigen Spectaculum sieht wieder viele Schaukämpfe, Feuershows, Gaukler und Tänze vor. Die genauen Informationen zu den verschiedenen Attraktionen werden dann auf dem Mittelalterfest ausgehängt sein.
Qellen: Roman Heiligenthal: Baugeschichte der Stadt Bruchsal, 1909
Rainer Kaufmann: Seilersbahn, 1989
Bilder: artbox, Fritz Häcker, Stadtarchiv, Medienarchiv Willi
Aus RegioMagazin WILLI 6/18