Rocken im Dialekt: Café Achteck setzt auf Mundart.
Rocken im Dialekt: Café Achteck setzt auf Mundart.

BACKSTAGE :: Gsunge wie gschwätzt

Du könntest der Erste sein,
der diesen Artikel in einer Gruppe teilt

Viele sagen Zuhause ist da, wo das Herz ist. Aber im Willi-Land könnte der Satz auch so heißen: Zuhause isch do, wu man schwätzt wie du! Oder auch singt. Denn Mundart Musik ist längst keine Seltenheit mehr. Nicht nur woanders, sondern genau hier, im Kraichgau. Woher kommt die Begeisterung für den Dialekt?

Eines der ersten und wohl auch berühmtesten Werke im Kraichgauer Dialekt ist sicherlich der „Brusler Dorscht“. Als der jüdische Tuchgroßhändler und Kunstmäzen Otto Oppenheimer den Gassenhauer 1901 geschrieben hat, hat er sicherlich nicht erwartet, dass es so ein Hit wird. Auch noch mehr als 100 Jahre später wird das Lied vom durstigen Grafen Kuno gesungen – besonders zur Faschingszeit. Wer glaubt, dass hiermit die Geschichte der Mundart Musik schon endet, der irrt sich.  Es gibt viele Beispiele für heimatverbundene Musiker und Bands, die auch im neuen Jahrtausend den Dialekt mit ihrer Musik würdigen und feiern.

Musik von Dahoim

Das „Café Achteck“ ist nicht nur eine umgangssprachliche Bezeichnung für das Bruchsaler Gefängnis, sondern auch und vor allem eine Band, die es schon seit Mitte der Neunziger gibt. Die acht Musiker wohnen verstreut im ganzen Süden und Südwesten Deutschlands, aber der Kurpfälzische Dialekt vereint sie alle. Bei manchen ist es reine Sprachbegabung, während die anderen es mit der Muttermilch aufgesogen haben. Sie beschreiben ihre Stilrichtung selbst als Mundart Rock und erklären, was ihre Beweggründe sind: „Wollen wir hier Tradition pflegen? Nun ja, Schlager

_

Anzeige

musicalklasse_schiwago_290x290

_

ist das sicher nicht, was wir spielen. Aber wir wollen in unsara Sproch singen. Weil do simma direkter. Do simma ganz grad aus. Frei von de Bruscht weg. Do kommt die Musik ganz von unne, aus der Kleinstadt Seele.“

Und die Dialekt-Rocker sind nicht die einzigen, die so denken. Auch das Duo „KraichgauSound“ fühlt sich wohler ohne Hochdeutsch. Helmut Dörr aus Wiesloch und Günther Auch aus Menzingen bezeichnen sich selbst

Ausgezeichnet: KraichgauSound gewann 2013 den Mundart-Wettbewerb.Ausgezeichnet: KraichgauSound gewann 2013 den Mundart-Wettbewerb.
Ausgezeichnet: KraichgauSound gewann 2013 den Mundart-Wettbewerb.

als Musiker mit „Leib und Seel“ und genauso verbunden sind sie auch mit ihrer Heimat. Nicht umsonst haben sie ihr zweites Album „Dehom isch dehom“ genannt. Auf ihrem ersten Album haben sie der Toskana Deutschlands, wie der Kraichgau oft genannt wird, ein eigenes Lied gewidmet:„ „Kraichgauer“ ist eine Hommage an unsere Heimat. Der Refrain sagt alles: „Kraichgau bisch en scheene Ort, do geh isch nimmie fort -Kraichgau bisch ä Melodie, diesch vergess isch nie“

Landei und stolz darauf

2013 gewannen sie bei dem Mundart Wettbewerb „De gnitze Griffel“ des Regierungspräsidiums Karlsruhe den ersten Platz in der Kategorie „Lieder“. Bei dieser Ausschreibung, die vom Arbeitskreis Heimatpflege alle zwei Jahre organisiert wird, geht es darum die Kunst des Dialekts zu fördern und es bewerben sich durchschnittlich 200 Teilnehmer. Noch ein Beweis mehr dafür, was für einen Stellenwert der Dialekt hier im Willi-Land hat – sowohl in der Lyrik und Prosa, als auch in der Musik.

Ausnahme: Für KraichgauTV rappt Jay Farmer im Dialekt.
Ausnahme: Für KraichgauTV rappt Jay Farmer im Dialekt.

Ein weiteres Beispiel für Heimatverbundenheit ist der Künstler Jay Farmer. Obwohl er schon auf Festivals und im Vorprogramm von Stars wie Sido, Jan Delay, Max Herre und Fettes Brot aufgetreten ist, bleibt er laut eigener Aussage immer „das Orginal Landei aus dem kleinen Nest mit Dorfschnauze“. Für Kraichgau TV hat der Büchenauer sogar ein paar Monatsrückblicke im Dialekt gerappt. Das war aber mehr oder weniger eine Ausnahme, denn eigentlich macht Jay keine Mundart Musik. Was ihn jedoch mit den anderen Künstlern verbindet ist die Liebe zur Heimat und dem hiesigen Dialekt.

Mundart ist also nicht nur schwer im Kommen, sondern schon lange da. Und warum? Ganz einfach: Weil Dialekt Gefühle transportiert, die oft verloren gehen, wenn man versucht sie ins Hochdeutsche zu übersetzen. Aber warum sollte man auch? Hier ischs doch meh wie schee!

Text: Lidija Marinkovic; Bilder: egghead Medien, privat