Stutensee | Auf der Suche nach einem neuen Oberbürgermeister

Dass Menschen noch immer kommunalpolitische Verantwortung an vorderster Front übernehmen wollen, ist angesichts knapper Kassen in politisch aufgeladenen Zeiten nicht selbstverständlich. In Stutensee stehen dem Wähler am 12. Juli bei der Oberbürgermeisterwahl erfreulicherweise im ersten Wahlgang gleich drei engagierte Kommunalpolitiker zur Auswahl.

 

Aus der Reihe: Blick nach Stutensee

Der scheidenden Oberbürgermeisterin Petra Becker, die bekanntlich nicht zur Wiederwahl antritt, scheint man im politischen Umfeld von Stutensee nicht allzu viele Tränen nachzuweinen. Bisweilen werden zwar einzelne Leistungen der Amtsinhaberin erwähnt, dennoch erkennen viele einen lähmenden Mehltau, der sich in ihrer Amtszeit über die Kommunalverwaltung gelegt hat.

Auf einen zugegeben etwas verkürzten Nenner gebracht, unterscheiden sich die drei Oberbürgermeisterkandidaten, die sich um die Nachfolge Beckers bewerben, wie folgt: Der vom CDU-Ortsverband einstimmig gekürte Gemeinderat Tobias Walter hat beachtliches Talent und er wird unabhängig vom Wahlausgang in Stutensee zweifellos politisch etwas werden, der CDU-Bürgermeister von Kronau Frank Burkard ist schon etwas, will aber noch ein wenig mehr werden, und Gemeinderat Sven Schiebel von den Freien Wählern will nun in seinem zweiten Anlauf politisch etwas werden, aber sicherlich nur noch dieses eine Mal.

Die OB-Kandidaten, von links nach rechts: Frank Burkard (CDU), Tobias Walter (CDU), Sven Schiebel (Freie Wähler).

Oberbürgermeisterwahl am 12. Juli in Stutensee

Im Vorfeld der Kandidatenkür gab es zwischen den CDU-Verbänden und Burkard gehörige Unstimmigkeiten, da Walter von einer Findungskommission gekürt wurde, Burkard sich in diesem Prozedere aber nicht gehört fühlte. Weder Walter noch Burkard, der auch stellvertretender CDU-Kreisvorsitzender ist, wollen sich dazu weiter äußern und man konzentriert sich im Wahlkampf auf die Sachthemen. Ob nach der Wahl die Angelegenheit nochmals hochkocht, sei dahingestellt. Allein die Lokalzeitung wärmt das Thema auflagenfördernd immer wieder auf.

Will man Burkard, der in Stutensee von den Grünen unterstützt wird, sprechen, so empfängt er standesgemäß im Kronauer Rathaus und verweist recht selbstbewusst auf seine 10-jährige Erfahrung als Verwaltungschef und die kommunalpolitischen Errungenschaften, die auch in den Broschüren der Kommune nachzulesen seien. Tatsächlich muss Burkard in seiner ersten Amtszeit in Kronau einiges richtig gemacht haben, wurde er doch 2024 mit überwältigender Mehrheit wiedergewählt. Jetzt will er es aber mit knapp fünfzig Jahren noch einmal wissen. Dabei betont er wiederholt, in Stutensee neue Gewerbe ansiedeln und wichtige Gemeindeaufgaben effizienter strukturieren zu wollen.

Der offizielle CDU-Kandidat Walter ist gerade mal Anfang dreißig. Als Mitarbeiter des CDU-Bundestagsabgeordneten Nicolas Zippelius sammelt er gehörig an politischer Erfahrung und gilt Beobachtern als ambitionierter Nachwuchspolitiker. Fühlt man Walter, der von CDU, SPD und FDP unterstützt wird, persönlich auf den Zahn, so erkennt man dessen politisches Talent. Unverkrampft, aber immer kompetent und ebenso wissbegierig besticht der in Staffort Aufgewachsene mit außerordentlichen Detailkenntnissen zur Kommunalpolitik Stutensees. Walter brennt für die Aufgabe mit jugendlicher Begeisterung gepaart mit solider Fachkompetenz.

Drei Bewerber, ein Rathaus

Schiebel, wie Walter in Stutensee wohnhaft, scheint ein geerdeter, eher bodenständiger Typ, wenngleich er alternatives Flair ausstrahlt. Er ist als Psychologe aktiv und betrieb lange Jahre ein eigenes Fotoatelier. Als Kandidat der Freien Wähler scheint ihm Stutensee ein Herzensanliegen und er sprüht förmlich vor Ideen, die er im Ort verwirklichen würde. Ein Aktenfresser ist Schiebel sicherlich nicht und man kann ihn sich, ganz im Gegensatz zu Burkard oder Walter, kaum einen geschlagenen Tag im Rathausgebäude am Schreibtisch vorstellen. Dass er Stutensee bestens kennt, ist unbestritten. Er möchte einen optimistischeren Umgangston in die Kommunalverwaltung zurückbringen und ebenso versteht er sicherlich, Menschen zu begeistern. Ob nachhaltig, das müsste er dann als Oberbürgermeister noch unter Beweis stellen, aber er macht den Eindruck, als wolle er es dieses Mal unbedingt wissen.

Insgesamt darf man Walter Kollegialität und Pragmatismus zutrauen. Er würde sicherlich in die Verwaltungsverantwortung hineinwachsen. Aufgrund seines ausgesprochenen politischen Talents fragt sich mancher, ob Walter nicht gar zu Höherem berufen ist und ob er das Amt über die volle Legislatur ausüben würde. Walter ist dabei allerdings in der komfortablen Situation, dass er selbst nach zwei Amtsperioden als Oberbürgermeister von Stutensee noch jung genug für neue Ämter wäre, so dass seine Aussage, Stutensee längerfristig verpflichtet zu bleiben, glaubhaft ist. Der recht locker auftretende Schiebel hat sicherlich keine weiteren politischen Ambitionen. Er muss seine Anhänger wohl eher davon überzeugen, dass er als Oberbürgermeister nach der Anfangseuphorie auch gewillt und befähigt wäre, die jahrelangen, recht unspektakulären, bisweilen nervenaufreibenden Mühen der Ebene erfolgreich zu durchschreiten. Letzteres traut man Burkard wiederum durchaus zu. Er muss allerdings erklären, weshalb er nicht nur sich selbst beruflich verbessern und eine letzte Stufe seiner persönlichen Karriereleiter erklimmen, sondern die Stadt Stutensee voranbringen möchte. Sollte er dazu die Chance erhalten, gilt es für den bisweilen angespannt wirkenden Burkard, als Verwaltungsleiter und Netzwerker nicht hinter jeder Fichte politischen Widerstand und Unbill zu wittern.

Wer folgt auf Petra Becker?

Warum auch der Rheinstettener Heiko Becker ursprünglich auf den Wahlzettel wollte, blieb sein Geheimnis. Gut, dass inzwischen Unterschriften von Unterstützern vorzulegen sind, sodass Spaßkandidaten, Egozentriker und Wichtigtuer frühzeitig ausgesiebt werden. Früher reichte ja sogar eine Postkarte, um auf den Wahlzettel zu gelangen. Und manche meinen, bar jedweder Qualifikation kandidieren zu müssen. Erst letztes Jahr hatten zwei fragwürdige Kandidaten in Bruchsal den Zuhörern in Wahlveranstaltungen die Zeit gestohlen.

Es ist zu hoffen, dass viele Bürger in Stutensee wählen gehen. Nur wenige Wahlen sind so unmittelbar, der Gewählte danach vor Ort so gegenwärtig. Stutensee kann froh sein, drei veritable Kandidaten zur Auswahl zu haben, die gewillt sind, auch angesichts klammer Kassen den kommunalen Karren durch unwegsames Gelände zu ziehen.

Übrigens meinte die Lokalpresse, ähnlich wie letztes Jahr in Bruchsal, bei einer Kandidatenvorstellung eine willkürliche Befragung zum Wahlsieger durchführen zu müssen. Burkard lag dabei knapp vor Walter. Sollte das Ergebnis dieses irreführenden Wahlkrampfs ähnlich verkorkst sein, wie damals in Bruchsal, so kann eines jetzt schon verlässlich prognostiziert werden: Walter wird die Wahl spätestens im zweiten Wahlgang am 26. Juli knapp gewinnen!

 

 

 

 

Oft geklickt

BRUCHSAL 1. MÄRZ 1945 | Als der 16-jährige Josef um sein Leben rannte …

Filmbericht | Am 1. März 1945 erlitt die Stadt...

Landfunker 2.0 ist da

Sie haben es schon bemerkt? Landfunker 1.0 geht nach...

Das große Bauen – die B35 soll fit für die Zukunft werden

BRUCHSAL, 19. Juni 2026 | Auf Autofahrerinnen und Autofahrer...

Kommentare zu Beiträgen

Anzeige

spot_img
spot_img
spot_img

Auch interessant

Es gibt noch mehr zu entdecken

spot_img