Freizeit & Tipps | Thema: Nationalsozialismus und Holocaust

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Bruchsal | Uraufführung von Holger Schober's "Auschwitz meine Liebe"

Thema: Nationalsozialismus und Holocaust

Bild zu  / Thema: Nationalsozialismus und Holocaust
19.01.2018 | Am 19. Januar 2018 zeigt die Badische Landesbühne die Premiere von Holger Schobers Auschwitz meine Liebe um 19.30 Uhr im theater treppab.
Der Autor Holger Schober hat das Stück eigens für die Badische Landesbühne geschrieben, das in der Regie von Joerg Bitterich uraufgeführt wird.
Herr Schober, Sie beschäftigen sich nicht zum ersten Mal mit Nationalsozialismus und Holocaust. Die Badische Landesbühne zeigte in der Spielzeit 2012.2013 Ihr Stück Schwarze Milch oder Klassenfahrt nach Auschwitz. Was interessiert Sie an der Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte?

Das hat sicher auch mit meiner Herkunft zu tun. Wir Österreicher sehen uns ja immer gerne als das erste befreite Volk, wir waren ja nur Opfer – was natürlich nicht stimmt, da es zum Beispiel unter den SS-Offizieren, aufgerechnet auf die Bevölkerung, überproportional viele Österreicher gab. Wir Österreicher sind mit der ganzen Aufarbeitung Jahre, wenn nicht Jahrzehnte hinter Deutschland zurück. Und der Rechtsruck in Europa, der gerade Österreich trifft wie ein Wirbelsturm, tut sein Übriges, sodass der Beschäftigungswille mit diesen Themen in mir zu schreien beginnt. Und wenn man sich das Ergebnis der letzten Wahlen in Österreich anschaut und sieht, wie das Land jetzt von rechtsradikalen Burschenschaftern filetiert wird, dann sieht man, dass dieses Thema immer noch virulent ist.

Viele Holocaustüberlebende haben vor Schulklassen ihre Lebensgeschichte erzählt. Woher die Idee, nun einen Schauspieler in diese Situation einzusetzen?
Gerade die Tatsache, dass man dieses Setting kennt, war für mich ausschlaggebend, es zu nehmen und einmal etwas Neues damit zu versuchen. Ich war bei einem Gespräch mit einem Holocaustüberlebenden und da fiel der Satz: „Auschwitz war meine ewige Hassliebe.“ Und das hat mich so bewegt, dass ich mir dachte, damit muss ich was machen. Auschwitz meine Liebe – dieser Titel war auf einmal da; natürlich auch angelehnt an Hiroshima mon amour, was natürlich eine Liebesgeschichte ist, aber einfach ein ikonischer Titel. Bei mir gehen Stücke oft von Ideen für Titel oder von einzelnen Sätzen aus. Und dann tastet man sich von da aus vorwärts. Und mir war relativ schnell klar, dass es eine Illusion von tatsächlich erlebter Geschichte sein soll. Und da bietet sich dann natürlich diese Form an.

Leben und Tod sind zwei Pole Ihres Stücks. Wie nähert man sich der Tötung von ca. 1,5  Millionen Menschen in einem nationalsozialistischen Vernichtungslager? Wie blickt man auf die Biografien derer, die diesen Wahnsinn überlebt haben?

Das ist eine schwierige Frage. Ich weiß nicht, wie man sich dem nähert. Gar nicht, würde ich sagen, denn je näher man dem kommt, desto schockstarrer lässt es einen zurück. Wenn ich an einem Stück arbeite, dann lese ich immer alles, was ich zu diesem Thema finden kann. Und das habe ich auch hier gemacht, viele Biografien, viele Berichte, viele Aufarbeitungen der eigenen Vergangenheit. Und irgendwann kommt dann der Punkt, an dem man das alles beiseitelässt und versucht, herauszufinden, was die Geschichte ist, die man erzählen möchte. Aber natürlich hat man alles, was man darüber gelesen hat, im Rucksack dabei. Der Rest ist, so komisch das auch klingt, Handwerk. Man verpflichtet sich einer Geschichte und erzählt sie so gut, wie man es kann. Wenn man ständig darüber nachdenken würde, ob man dem Thema gerecht werden würde oder den Menschen, die das alles erlebt haben, dann würde man nur verkrampfen. Natürlich fühlt man sich auch den historischen Fakten verpflichtet. Aber man darf sie nicht immer wie eine Schere im Kopf mit sich tragen. Der Rest ist ein bisschen Einfühlungsvermögen. Und ein bisschen eine schriftstellerische Pranke muss man auch haben. Aber ich heule nicht jeden Tag und trinke Wodka, so würde ich nie zu einem Ergebnis kommen. Als Schriftsteller ist man oft in dem schizophrenen Zustand, dass man über die ärgsten Themen schreibt, in die tiefsten Abgründe schaut und sich dann auch noch freut, wenn einem was gelungen ist, was besonders drastisch ist. Ein komischer Beruf.

Wie wichtig war Ihnen Auschwitz als konkreter Ort?
Ich war, auch im Zuge für die Recherche zu Klassenfahrt nach Auschwitz, mehrmals in Auschwitz, ein „Erlebnis“, das ich nur jedem ans Herz legen kann. Natürlich ist das für die Arbeit an so einem Stück wichtig, die Atmosphäre zu spüren. Und Auschwitz ist nun mal das Sinnbild für den Holocaust, sozusagen der „Star“ unter den Lagern, dieser Name sagt jedem was. Nicht umsonst heißt es auch die „Auschwitz-Lüge“. Auschwitz ist im kollektiven Unterbewusstsein kein Ort mehr, sondern ein Synonym für Vernichtung und Unmenschlichkeit. Deshalb war es auch klar, dass das Stück nicht „Mauthausen meine Liebe“ oder „Dachau meine Liebe“ heißen kann.

Ihre Quellen sind die Lebensläufe raler Personen. Gab es eine Scheu, sich deren Biografien für das Schreiben eines Theaterstücks zu bedienen oder anzueignen?

Nein. Ich lese, wie gesagt, wahnsinnig viel zu einem Thema. Wenn ich dann aber schreibe, dann ist das, was ich gelesen habe, wieder im Schrank und ich schaue da nicht mehr rein. In meinem Kopf verkehren also viele Geschichten, viele einzelnen Sätze, Gedanken, Bilder, Emotionen und ich mixe sie neu und mache etwas Eigenes daraus. Auschwitz meine Liebe ist also die Geschichte von vielen Menschen, aber doch eine eigene Geschichte, die so nicht passiert ist, aber so ähnlich. Manchmal erfinde ich was dazu, aber viel öfter lasse ich etwas weg, weil meistens die Wirklichkeit viel schlimmer ist, als alles, was ich mir ausdenken könnte.

Salomon, die Figur ihres Stücks, hat einen eigenen Weg gefunden, sich mit seinem Schicksal zu versöhnen; er blickt mit einer gewissen Milde zurück. Gab es dafür Vorbilder?

Ich war schon vor vielen Jahren bei einem Vortrag von Jehuda Bacon. Seine Art, die eigene Vergangenheit zu sehen, hat mich ins Mark getroffen. Diese Nüchternheit, diese Klarheit, auch diese Fähigkeit, nicht zur Vergebung, aber zur Akzeptanz dessen, was passiert ist, und dieser absolute Unwille, ins Jammern zu verfallen, zu sagen: So und so war es, das war schlimm, aber es hatte nichts Mystisches oder Geheimnisvolles – das hat mich zutiefst beeindruckt. Salomon hat also sicher viele Züge von Jehuda Bacon bekommen. Bacon wurde dann ja von der jüdischen Community angefeindet, weil er, ihrer Ansicht nach, in den Frankfurter Prozessen zu nüchtern erzählt hat, was passiert ist, und zu wenig dramatisiert hat. Darüber wollte ich etwas erzählen. Über einen Menschen, dem das Schlimmste passiert ist, der sich aber trotzdem seine Menschlichkeit bewahrt hat. Ich wollte eine Geschichte erzählen, die sagt, so und so war es, keine Schnörkel, keine Ausschmückungen. Und ich wollte dem ganzen das Mystische nehmen, den Kampf zwischen Licht und Dunkel. Ich wollte erzählen: Das haben Menschen mit anderen Menschen gemacht, weil sie es konnten, weil  man sie gelassen hat. Da waren keine Dämonen am Werk. Und das habe ich bei Bacon gefunden, der immer wieder betont hat, dass manche Nazis auch nett zu ihm waren. Ich weiß nicht, ob ich diesen Mut und diese Kraft zur Differenzierung aufbringen könnte, wenn mir so etwas passieren würde. Ich finde das sehr bewundernswert.

Salomons Enkelin begegnet dieser Milde mit Unverständnis. Sie zeigt sich außerdem in radikaler Weise solidarisch mit ihrem Großvater, indem sie sich dessen Häftlingsnummer tätowieren lässt. Wofür steht die Enkelin?
Die Enkelin steht für die ganzen nachfolgenden Generationen, die die Ereignisse nach ihren moralischen Erfahrungen und Maßstäben bewerten und dann nicht fassen können, wie ihre Eltern und Großeltern darauf reagieren. Ich finde, man macht es sich immer zu leicht, wenn man sagt: Ich hätte damals anders reagiert, ich wäre im Widerstand gewesen, ich hätte mich gewehrt – weil man nicht dabei war und die Umstände nicht kannte. Ich sehe das gerade selbst jeden Tag in Österreich, wo sich die Burschenschafter der FPÖ das Land untereinander aufteilen und eigentlich nicht viel passiert, außer dass ein paar Leute demonstrieren. Ich nehme mich da gar nicht aus, ich sollte vermutlich auch auf der Straße sein, aber ich bin es nicht, weil ich arbeite, weil ich gerade wieder Vater werde, weil ich müde bin, weil was Tolles im Fernsehen läuft. Es gibt immer Gründe. Und vielleicht werden meine Enkel dann auch irgendwann fragen, wie wir nur zusehen konnten, dass das Land vor die Hunde geht.

Die Geschichte mit der Tätowierung ist übrigens wirklich passiert, und das passiert öfter als man glaubt. Ich fand das einfach ein wahnsinnig starkes Bild und das war eine der ersten Geschichten, von denen mir klar war, dass sie in das Stück hinein müssen.

Ab 13 Jahren/ab Klasse 8
Mit: Tim Tegtmeier, Inszenierung/Bühnenbild: Joerg Bitterich, Kostüme: Kerstin Oelker
Premiere: 19. Januar 2018, 19.30 Uhr, Bruchsal, theater treppab
Karten: Badische Landesbühne, Telefon 07251.72723, E-Mail: ticket@dieblb.de

Bild: Auschwitz meine Liebe
(blb)



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