no comment – Der WILLI-Kommentar

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Der noComment-Kommentar
Allgemein, unmittelbar, frei, gleich, geheim
Wieso darfst du überhaupt wählen?
Deine Zukunft war doch gestern!


Das war die Frage meiner Tochter, beim Gang zur Wahl. Vor der Wahl hätte ich mich kaum getraut, folgende Argumente niederzuschreiben. Jetzt, mit Abstand zur nächsten Wahl ein Gedanke, der mir sicher Ärger einbringt.

So war der Gedanke meines Kindes, dass mit der Wahl doch die Weichen für die Zukunft gestellt würden. Und meine Zukunft würde doch vermutlich erheblich kürzer ausfallen, als bspw. die ihre. Was mich zunächst lediglich zu einem Schmunzeln veranlasst, weil sie mal wieder denkt mich mit meinem Alter zum Tattergreis stempeln zu können, gab mir zunehmend zu Denken.

Mal ehrlich: mit den Wahlen bestimmen die Wähler die Zukunft des Landes. Bei einer alternden Gesellschaft bestimmen also immer mehr „Alternde“ ihre eigene immer kürzer werdende Zukunft. Einerseits, weil sie überhaupt wählen gehen (okay selber schuld die Jungen), aber auch weil es ja immer mehr Ältere gibt. Und dass die Jungen bei relativer Aussichtslosigkeit wählen als überflüssig erachten (meine Stimme ändert ja eh nix), kann man vor dem Hintergrund eigentlich verstehen.

Anders gesagt: je älter die Gesellschaft wird, desto älter die Wähler desto unwahrscheinlicher die Aussicht auf zukunftsorientierte Politik. Und schon bei dieser Wahl war die Hälfte der Wähler Ü50 !

Wenn man diesen Gedanken erst einmal verinner-licht hat, bekommt er einen gewissen Charme. Was würde wohl passieren, wenn es einen Faktor gäbe, sagen wir mal alle 10 Jahre, sozusagen die statistische Wahrscheinlichkeit, die Zukunft zu erleben, die man ja schließlich wählt?

Ich mit 60 Faktor 2. Mein Kind (20) Faktor 5.
1 x CDU x 2=2 Stimmen für die CDU. Mein Kind 1 Stimme für die Grünen x 5 = 5 Stimmen für die Grünen.
(Für alle, die jetzt denken, Sie könnten diese Wahlaussage gegen uns verwenden sei gesagt: DAS IST EIN FAKE. Bitte auch die AfDler informieren, die glauben alles.)

Schlagartig wären die Jungen eine Wählerschaft, deren Themen x-Mal wichtiger wären, als die der Senioren. Achtung Senioren, nicht gleich durchdrehen. Ich bin einer von euch (habe auch die Einladung zum Seniorentanztee in der Tasche). Aber mal ehrlich, sind Digitalisierung, schnelle Datennetze, Umweltschutz, Schule, Rente, Tempolimit, Fairtrade, Dritte Welt, Wohnen auf eurer Agenda? Oder sind es eher die Themen „alles lassen wie es ist“? Das kriegen wir rum!?

Ja, man steht bedröppelt da, wenn man diese Kiste vor die Füße gestellt bekommt und denkt „wasn Schmarrn“, aber bei Lichte betrachtet, wäre es womöglich die Lösung aus dem „weiter so“ herauszukommen.

Und um es gleich juristisch zu beleuchten: die Wahl wäre ja vor dem Hintergrund der Nachhaltigkeit der Stimmabgabe eher „gleich“ als anders. Und im Grundgesetz steht ja, die Wahl sei unter anderem „GLEICH“, womit gemeint ist: jede Stimme zählt gleich (viel). Und das tut sie ja erst ins Verhältnis zur Wirkung gesetzt. Es ist wie die Strafe nach Tagessätzen. Gleiche Strafe bedeutet ja eben, dass der Vermögende für das gleiche Vergehen eine höhere Strafe erhält. Nur dann ist die Strafe „gleich“ groß. Wie man sieht ist das Wahlverfahren eigentlich ungleich. Mit dem Grundgesetz gar nicht vereinbar.

Ja, manchmal sind es die einfachen Ideen und zwischen Genialität und Wahnsinn ist es oft nur ein schmaler Grat.

Ich jedenfalls könnte mir vorstellen, dass wir plötzlich eine neue Politik, neue Ideen, neue Politiker und neue Zukunftsmodelle hätten. Und viele Junge, die zur Wahl gehen, weil sie plötzlich 5 Mal mehr Stimmen hätten als ihre vertatterten Eltern.

…aber keine Angst:
Natürlich würden wir vorher Vorsorge schaffen, dass die uns nicht die Rolltreppen und die Seniorenpässe bei der Bahn streichen, wenn sie erstmal an der Macht sind.


U. Konrad
(Auf dem Weg zum Tanztee)

Eingestellt am 28.08.2017



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